Sonntag, 22. Dezember 2024

Feuer

I survive because the fire within me burns brighter than the fire around me


Ihr Lieben, was treibt euch an?
Jeder von uns braucht etwas, das uns morgens aufstehen lässt. Und damit meine ich nicht das Pflichtgefühl und auch nichts so hochgegriffenes wie den Weltfrieden. Es reicht eine kleine Sache, die uns motiviert, ein Lächeln ins Gesicht zaubert und in schwierigen Zeiten die Kraftreserven mobilisiert. Viele Menschen verbringen viel Zeit ihres Lebens damit, so eine Sache zu finden. Unter dem Namen "Work and Travel" steigert Australien seit einiger Zeit mit dieser Suche sein Bruttoinlandsprodukt und unzählige Lifestyle-Magazine und Blogs ihren Umsatz.
Dabei ist das eigentlich völlig vergebens. Denn dieses Feuer, die intrinsische Motivation, ist etwas höchst individuelles, das einem niemand Fremdes geben kann.
Der Fehler in der vergeblichen Suche ist, auf andere Leute zu hören.
Die Strukturen, in denen wir leben, sind darauf ausgerichtet uns gleich zu machen. Schon in der frühsten Kindheit werden alle, die eben nicht so sind wie die anderen, alleine im Sandkasten sitzen. In der Schule haben wir alle das Gleiche zu lernen, unabhängig von individuellen Stärken. Und hier beginnt auch direkt die Indoktrination in eine Kultur des Vergleichens: jede Leistung wird bewertet ohne auch nur einen einzigen persönlichen Faktor mit einzubeziehen. Ein Zitat von Albert Einstein hat mich in diesem Zusammenhang schon immer sehr angesprochen:

"If you judge a fish on its ability to climb a tree, it will live its whole life believing it's stupid."

Kein Mensch ist gleich und niemand hat die selben Stärken, dennoch werden alle von klein auf dazu angehalten, die selben Leistungen zu erbringen. Dass dies bei jemandem, der nicht in die von der Gesellschaft anerkannten allgemeinen Leistungsstandarts passt, zu Frustration führt, ist vorprogrammiert.
Ich möchte hiermit natürlich nicht daran appellieren, Mathematik, Sport und Geschichte aus den Lernplänen zu streichen, eine möglichst breite Wissensbasis bietet selbstverständlich die besten Möglichkeiten zur Entfaltung.
Es fehlt nur in der Entwicklung, die man in der heutigen Zeit nimmt, ein ganz elementarer Teil: Indem man die ganze Zeit damit beschäftigt ist, in Dingen gut zu sein, in denen alle gut sein müssen, wird völlig vergessen, etwas zu finden, in dem nur man selbst gut ist.
Es fängt schon damit an, dass es oft nicht gern gesehen wird, wenn ein Kind Interesse in einem Gebiet zeigt, dass nicht ins allgemeine Geschlechterklischee passt. Ich möchte nicht wissen, wie viele grandiose weibliche Automechaniker oder männliche Kindergärtner wir schon verpasst haben.

Wenn man sich nun am Ende der Schulzeit, vielleicht in der zehnten Klasse, oft sogar noch später, mit der zukünftigen Berufswahl konfrontiert sieht, steht man also vor einem scheinbar unlösbarem Problem. Woher soll man wissen, was einem liegt und eine individuelle, passende Entscheidung treffen, wenn man sein ganzes Leben dazu genötigt wurde, genau das selbe zu tun, wie alle anderen auch?
Dann wird ein Multiple Choice Test zur besseren Berufsorientierung gemacht, dessen Ergebnis Freizeitparkdirektor ist. Dank dieses hilfreichen Instruments wird die einzig logische Konsequenz gezogen: Es wird BWL studiert. Optional: ein Auslandsjahr in einem möglichst weit entfernten, klimatisch angenehmen Land. Meiner Meinung ist das einzige, was man dort lernt, dass Urlaub machen super ist.
Dass man nach der Schule ein Jahr braucht, um das nachzuholen, was man neben Hausaufgaben, Referaten, Klavierunterricht und Hockeytraining an Persönlichkeitsentwicklung verpasst hat, zeigt schon, dass es gewaltige Fehler im System gibt.