I survive because the fire within me burns brighter than the fire around me
Ihr Lieben, was treibt euch an?
Jeder von uns braucht etwas, das uns morgens aufstehen lässt. Und damit meine ich nicht das Pflichtgefühl und auch nichts so hochgegriffenes wie den Weltfrieden. Es reicht eine kleine Sache, die uns motiviert, ein Lächeln ins Gesicht zaubert und in schwierigen Zeiten die Kraftreserven mobilisiert. Viele Menschen verbringen viel Zeit ihres Lebens damit, so eine Sache zu finden. Unter dem Namen "Work and Travel" steigert Australien seit einiger Zeit mit dieser Suche sein Bruttoinlandsprodukt und unzählige Lifestyle-Magazine und Blogs ihren Umsatz.
Dabei ist das eigentlich völlig vergebens. Denn dieses Feuer, die intrinsische Motivation, ist etwas höchst individuelles, das einem niemand Fremdes geben kann.
Der Fehler in der vergeblichen Suche ist, auf andere Leute zu hören.
Die Strukturen, in denen wir leben, sind darauf ausgerichtet uns gleich zu machen. Schon in der frühsten Kindheit werden alle, die eben nicht so sind wie die anderen, alleine im Sandkasten sitzen. In der Schule haben wir alle das Gleiche zu lernen, unabhängig von individuellen Stärken. Und hier beginnt auch direkt die Indoktrination in eine Kultur des Vergleichens: jede Leistung wird bewertet ohne auch nur einen einzigen persönlichen Faktor mit einzubeziehen. Ein Zitat von Albert Einstein hat mich in diesem Zusammenhang schon immer sehr angesprochen:
"If you judge a fish on its ability to climb a tree, it will live its whole life believing it's stupid."
Kein Mensch ist gleich und niemand hat die selben Stärken, dennoch werden alle von klein auf dazu angehalten, die selben Leistungen zu erbringen. Dass dies bei jemandem, der nicht in die von der Gesellschaft anerkannten allgemeinen Leistungsstandarts passt, zu Frustration führt, ist vorprogrammiert.
Ich möchte hiermit natürlich nicht daran appellieren, Mathematik, Sport und Geschichte aus den Lernplänen zu streichen, eine möglichst breite Wissensbasis bietet selbstverständlich die besten Möglichkeiten zur Entfaltung.
Es fehlt nur in der Entwicklung, die man in der heutigen Zeit nimmt, ein ganz elementarer Teil: Indem man die ganze Zeit damit beschäftigt ist, in Dingen gut zu sein, in denen alle gut sein müssen, wird völlig vergessen, etwas zu finden, in dem nur man selbst gut ist.
Es fängt schon damit an, dass es oft nicht gern gesehen wird, wenn ein Kind Interesse in einem Gebiet zeigt, dass nicht ins allgemeine Geschlechterklischee passt. Ich möchte nicht wissen, wie viele grandiose weibliche Automechaniker oder männliche Kindergärtner wir schon verpasst haben.
Wenn man sich nun am Ende der Schulzeit, vielleicht in der zehnten Klasse, oft sogar noch später, mit der zukünftigen Berufswahl konfrontiert sieht, steht man also vor einem scheinbar unlösbarem Problem. Woher soll man wissen, was einem liegt und eine individuelle, passende Entscheidung treffen, wenn man sein ganzes Leben dazu genötigt wurde, genau das selbe zu tun, wie alle anderen auch?
Dann wird ein Multiple Choice Test zur besseren Berufsorientierung gemacht, dessen Ergebnis Freizeitparkdirektor ist. Dank dieses hilfreichen Instruments wird die einzig logische Konsequenz gezogen: Es wird BWL studiert. Optional: ein Auslandsjahr in einem möglichst weit entfernten, klimatisch angenehmen Land. Meiner Meinung ist das einzige, was man dort lernt, dass Urlaub machen super ist.
Dass man nach der Schule ein Jahr braucht, um das nachzuholen, was man neben Hausaufgaben, Referaten, Klavierunterricht und Hockeytraining an Persönlichkeitsentwicklung verpasst hat, zeigt schon, dass es gewaltige Fehler im System gibt.
Miss Dolarhyde - Crazy Like A Fox
Der ganz normale Wahnsinn!
Sonntag, 22. Dezember 2024
Samstag, 2. März 2019
Wer bist du, wenn du niemand sein musst?
Die menschliche Psyche ist für mich das Faszinierendste auf diesem Planeten voller unzähligen, kleinen, alltäglichen Wunder.
Es gibt ein Zitat aus dem Buch Sophies Welt von Jostein Gaarder:
"Wenn das Gehirn des Menschen so einfach wäre, dass wir es verstehen könnten, dann wären wir so dumm, dass wir es trotzdem nicht verstehen könnten."
Seit ich denken kann, hat es mich gereizt, zu wissen, was in den Köpfen meiner Mitmenschen vor sich geht.
Bei Einigen war dieses Bedürfnis deutlich stärker ausgeprägt, als bei anderen und ich habe lange versucht zu verstehen, warum dies so ist.
Ich dachte zunächst, ich würde Leuten ansehen, dass sie krank sind und oft hatte ich damit recht. Doch das war es nicht.
Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Situation von vor etwas über einem Jahr. Ich war morgens auf dem Weg zu einer Vorlesung, als mir jemand an einer Ampel gegenüberstand, der damals keine Rolle in meinem Leben spielte und mir nur flüchtig bekannt vorkam. Ich war eigentlich ins Gespräch mit meiner Freundin vertieft, als sich unsere Blicke trafen. Als ich gerade versuchte, das Gesicht einzuordnen, fiel es mir wieder auf. Dieser spezielle Blick, oder vielmehr etwas dahinter, was mich den ganzen Vormittag nicht aufhören ließ, an diese eigentlich unbedeutsame Begegnung zu denken.
Und heute, gefühlt ein halbes Leben später, weiß ich endlich, was es war, was in diesem Blick lag und was schon in so vielen Blicken (allerdings niemals in dieser Intensität) vorher lag, was mich nicht loslässt.
Es ist das wahre Ich dieser Personen, was in ihren Augen liegt.
Ich bin der festen Überzeugung, dass man als eine bestimmte Person geboren wird. Natürlich übt unsere Umwelt einen maximalen Einfluss auf uns aus und bestimmt so, wie sich unsere Persönlichkeit entwickelt, doch das wahre Ich, die Seele, oder die Genetik und Epigenetik, je nachdem, aus welchem Blickwinkel man diese Diskussion betrachten möchte, bildet immer die Basis.
Der Mensch überlebt durch Anpassung. Die kognitive Fähigkeit zur Adaptation hat uns schon seit jeher diesen unvergleichlichen Evolutionsvorteil gegeben, der es uns ermöglicht hat, Feuer zu entdecken, Häuser zu bauen, gefährliche Wölfe zu Chihuahuas zu züchten und ein Gerät zu erfinden, mit dem man gleichzeitig komplizierte Rechenaufgaben lösen und Videos von Papageien mit kleinen Hüten anschauen kann.
Ab dem Zeitpunkt der Geburt lernen wir, welche Verhaltensweisen uns einen möglichst großen Vorteil erbringen. Meist passiert dies über positive Verstärkung, das heißt, Verhaltensweisen, die positive Konsequenzen hatten, werden wiederholt.
Ab und zu wird allerdings auch ein Lerneffekt über Vermeidungsstrategien erzielt: negative Konsequenzen führen dazu, dass ein gewisses Verhalten vermieden wird.
Über diesen Prozess des Lernens, finden wir heraus, wie wir möglichst problemlos durch den Alltag kommen.
Bei manchen von uns hat der Weg des Lebens dazu geführt, Teile unserer Grundpersönlichkeit zu verstecken, da wir durch sie negative Konsequenzen erfahren haben.
Ein einfaches Beispiel: jeder Mensch hat ein natürliches Grundbedürfnis nach Bindung und Nähe, da es uns in den ersten Lebensjahren das Überleben sichtert, weil wir auf Andere angewiesen sind, die sich um uns kümmern. Wird dieses Grundbedürfnis enttäuscht, erlernen wir, uns zu distanzieren. Dieses erlernte Verhalten hilft zwar, uns vor erneuter Enttäuschung zu beschützen, überdeckt allerdings nicht vollständig das trotzdem noch vorhandene Bedürfnis, von dem dieses erlernte Verhalten abstammt.
Daher war meine ursprüngliche Annahme, dass das, was ich in dem Blick mancher Leute gesehen habe, ein Zeichen von Krankheit war, gar nicht so weit hergeholt. Denn irgendwann macht die Diskrepanz zwischen erlernter Anpassung und den tatsächlichen Bedürfnissen krank, wenn sie zu groß wird. Oft ist das erlernte Verhalten so tief verankert, dass man gar nicht mehr versteht, was die eigentlichen Bedürfnisse sind. Die Grundpersönlichkeit ist so weit in den Hintergrund gerückt, dass man die Verbindung zu ihr verloren hat. Die Folge sind Gefühlschaos, ein Unverständnis von sich selbst und ein unbestimmtes Gefühl, dass etwas nicht stimmt, obwohl augenscheinlich alles in Ordnung (oder sagen wir besser "wie immer") ist.
(Das ist übrigens nichts was ich mir ausgedacht habe, sondern integraler Bestandteil der tiefenpsychologischen Psychoanalyse und ähnlichen wissenschaftlich anerkannten psychologischen Ansätzen)
Kehren wir noch einmal zurück zu dem grauen Montagmorgen im Januar 2018.
Etwa 100 Meter nachdem wir uns über den Weg gelaufen waren, fiel mir ein, woher mir das Gesicht bekannt vorkam und während ich die folgenden Vorlesungsstunden wiederholt über diese 20 Sekunden nachdachte, wurde mir klar, was mich aufmerksam hatte werden lassen.
Das was ich in den Augen dieser Person sah, passte nicht zu dem, was ich bisher über sie wusste. Ich kannte ein paar Fotos auf einem Profil einer Social Media Seite und ein paar witzige, provokante Kommentare in einer Facebook-Gruppe, die ein völlig anderes Bild ergaben, als das was ich seit diesen 20 Sekunden in Ultrazeitlupe wieder und wieder in meinem Kopf abspielte.
Nach einer durch einen Zufall (jeder, der mich kennt weiß, dass ich nicht an Zufälle glaube) entstandenen schriftlichen Konversation lichtete sich die Verwirrung nicht wirklich, so dass eine Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht her musste.
Nach den ersten paar Minuten dieses Gesprächs hätte ich schwören können, ich hätte mich an der Ampel geirrt. Doch in einem unbemerkten Moment war er wieder da, der Blick, der die Sicht auf das freigab, was hinter dem optimal angepassten, begehrenswerten, über Jahre auf Erfolg geprüften System liegt.
Ich konnte es damals nicht genau benennen, aber es war das, was mich so sehr faszinierte an diesem Menschen. Weil der verborgene Teil um ein vielfaches interessanter, liebenswerter und ehrlicher ist, als das, was zum Schutz darüber liegt und das war mir rückblickend auch schon nach besagten 20 Sekunden an der Ampel klar.
Man sieht Menschen an, wer sie wirklich sind. Manche mussten lernen es besser zu verstecken als andere, aber es ist immer da.
Wir sind immer dann am glücklichsten, wenn wir wir selbst sein können. Dazu gehört auch, Abschied von der Wunschvorstellung zu nehmen, wie wir gerne wären, oder besser gesagt, wie wir glauben, dass uns andere gern hätten. Denn wir können natürlich an uns arbeiten und positive Aspekte unserer Grundpersönlichkeit verstärken, aber wir werden sie niemals ändern.
Das was du erlebt hast, hat dich stark gemacht, um dich dorthin zu bringen, wo du jetzt bist. Aber du bist immer noch du selbst, der selbe Mensch, der du seit deiner Geburt bist. Egal wie tief dieser Teil unter den erlernten Anpassungsverhaltensweisen vergraben ist, es ist der Teil der dich wertvoll und einzigartig macht. Der Teil, der an die Oberfläche will, wenn niemand zusieht. Es ist Zeit, dass du anfängst, ehrlich mit dir zu sein und darauf stolz zu sein.
Wer bist du, wenn du niemand sein musst?
Und zu dir, liebe alles andere als unbedeutende Person von der Ampel, ich weiß wer du wirklich bist. Und ich liebe dich dafür, auch wenn du es noch nicht tust.
→ https://www.youtube.com/watch?v=CQoObtJ4K8s
Es gibt ein Zitat aus dem Buch Sophies Welt von Jostein Gaarder:
"Wenn das Gehirn des Menschen so einfach wäre, dass wir es verstehen könnten, dann wären wir so dumm, dass wir es trotzdem nicht verstehen könnten."
Seit ich denken kann, hat es mich gereizt, zu wissen, was in den Köpfen meiner Mitmenschen vor sich geht.
Bei Einigen war dieses Bedürfnis deutlich stärker ausgeprägt, als bei anderen und ich habe lange versucht zu verstehen, warum dies so ist.
Ich dachte zunächst, ich würde Leuten ansehen, dass sie krank sind und oft hatte ich damit recht. Doch das war es nicht.
Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Situation von vor etwas über einem Jahr. Ich war morgens auf dem Weg zu einer Vorlesung, als mir jemand an einer Ampel gegenüberstand, der damals keine Rolle in meinem Leben spielte und mir nur flüchtig bekannt vorkam. Ich war eigentlich ins Gespräch mit meiner Freundin vertieft, als sich unsere Blicke trafen. Als ich gerade versuchte, das Gesicht einzuordnen, fiel es mir wieder auf. Dieser spezielle Blick, oder vielmehr etwas dahinter, was mich den ganzen Vormittag nicht aufhören ließ, an diese eigentlich unbedeutsame Begegnung zu denken.
Und heute, gefühlt ein halbes Leben später, weiß ich endlich, was es war, was in diesem Blick lag und was schon in so vielen Blicken (allerdings niemals in dieser Intensität) vorher lag, was mich nicht loslässt.
Es ist das wahre Ich dieser Personen, was in ihren Augen liegt.
Ich bin der festen Überzeugung, dass man als eine bestimmte Person geboren wird. Natürlich übt unsere Umwelt einen maximalen Einfluss auf uns aus und bestimmt so, wie sich unsere Persönlichkeit entwickelt, doch das wahre Ich, die Seele, oder die Genetik und Epigenetik, je nachdem, aus welchem Blickwinkel man diese Diskussion betrachten möchte, bildet immer die Basis.
Der Mensch überlebt durch Anpassung. Die kognitive Fähigkeit zur Adaptation hat uns schon seit jeher diesen unvergleichlichen Evolutionsvorteil gegeben, der es uns ermöglicht hat, Feuer zu entdecken, Häuser zu bauen, gefährliche Wölfe zu Chihuahuas zu züchten und ein Gerät zu erfinden, mit dem man gleichzeitig komplizierte Rechenaufgaben lösen und Videos von Papageien mit kleinen Hüten anschauen kann.
Ab dem Zeitpunkt der Geburt lernen wir, welche Verhaltensweisen uns einen möglichst großen Vorteil erbringen. Meist passiert dies über positive Verstärkung, das heißt, Verhaltensweisen, die positive Konsequenzen hatten, werden wiederholt.
Ab und zu wird allerdings auch ein Lerneffekt über Vermeidungsstrategien erzielt: negative Konsequenzen führen dazu, dass ein gewisses Verhalten vermieden wird.
Über diesen Prozess des Lernens, finden wir heraus, wie wir möglichst problemlos durch den Alltag kommen.
Bei manchen von uns hat der Weg des Lebens dazu geführt, Teile unserer Grundpersönlichkeit zu verstecken, da wir durch sie negative Konsequenzen erfahren haben.
Ein einfaches Beispiel: jeder Mensch hat ein natürliches Grundbedürfnis nach Bindung und Nähe, da es uns in den ersten Lebensjahren das Überleben sichtert, weil wir auf Andere angewiesen sind, die sich um uns kümmern. Wird dieses Grundbedürfnis enttäuscht, erlernen wir, uns zu distanzieren. Dieses erlernte Verhalten hilft zwar, uns vor erneuter Enttäuschung zu beschützen, überdeckt allerdings nicht vollständig das trotzdem noch vorhandene Bedürfnis, von dem dieses erlernte Verhalten abstammt.
Daher war meine ursprüngliche Annahme, dass das, was ich in dem Blick mancher Leute gesehen habe, ein Zeichen von Krankheit war, gar nicht so weit hergeholt. Denn irgendwann macht die Diskrepanz zwischen erlernter Anpassung und den tatsächlichen Bedürfnissen krank, wenn sie zu groß wird. Oft ist das erlernte Verhalten so tief verankert, dass man gar nicht mehr versteht, was die eigentlichen Bedürfnisse sind. Die Grundpersönlichkeit ist so weit in den Hintergrund gerückt, dass man die Verbindung zu ihr verloren hat. Die Folge sind Gefühlschaos, ein Unverständnis von sich selbst und ein unbestimmtes Gefühl, dass etwas nicht stimmt, obwohl augenscheinlich alles in Ordnung (oder sagen wir besser "wie immer") ist.
(Das ist übrigens nichts was ich mir ausgedacht habe, sondern integraler Bestandteil der tiefenpsychologischen Psychoanalyse und ähnlichen wissenschaftlich anerkannten psychologischen Ansätzen)
Kehren wir noch einmal zurück zu dem grauen Montagmorgen im Januar 2018.
Etwa 100 Meter nachdem wir uns über den Weg gelaufen waren, fiel mir ein, woher mir das Gesicht bekannt vorkam und während ich die folgenden Vorlesungsstunden wiederholt über diese 20 Sekunden nachdachte, wurde mir klar, was mich aufmerksam hatte werden lassen.
Das was ich in den Augen dieser Person sah, passte nicht zu dem, was ich bisher über sie wusste. Ich kannte ein paar Fotos auf einem Profil einer Social Media Seite und ein paar witzige, provokante Kommentare in einer Facebook-Gruppe, die ein völlig anderes Bild ergaben, als das was ich seit diesen 20 Sekunden in Ultrazeitlupe wieder und wieder in meinem Kopf abspielte.
Nach einer durch einen Zufall (jeder, der mich kennt weiß, dass ich nicht an Zufälle glaube) entstandenen schriftlichen Konversation lichtete sich die Verwirrung nicht wirklich, so dass eine Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht her musste.
Nach den ersten paar Minuten dieses Gesprächs hätte ich schwören können, ich hätte mich an der Ampel geirrt. Doch in einem unbemerkten Moment war er wieder da, der Blick, der die Sicht auf das freigab, was hinter dem optimal angepassten, begehrenswerten, über Jahre auf Erfolg geprüften System liegt.
Ich konnte es damals nicht genau benennen, aber es war das, was mich so sehr faszinierte an diesem Menschen. Weil der verborgene Teil um ein vielfaches interessanter, liebenswerter und ehrlicher ist, als das, was zum Schutz darüber liegt und das war mir rückblickend auch schon nach besagten 20 Sekunden an der Ampel klar.
Man sieht Menschen an, wer sie wirklich sind. Manche mussten lernen es besser zu verstecken als andere, aber es ist immer da.
Wir sind immer dann am glücklichsten, wenn wir wir selbst sein können. Dazu gehört auch, Abschied von der Wunschvorstellung zu nehmen, wie wir gerne wären, oder besser gesagt, wie wir glauben, dass uns andere gern hätten. Denn wir können natürlich an uns arbeiten und positive Aspekte unserer Grundpersönlichkeit verstärken, aber wir werden sie niemals ändern.
Das was du erlebt hast, hat dich stark gemacht, um dich dorthin zu bringen, wo du jetzt bist. Aber du bist immer noch du selbst, der selbe Mensch, der du seit deiner Geburt bist. Egal wie tief dieser Teil unter den erlernten Anpassungsverhaltensweisen vergraben ist, es ist der Teil der dich wertvoll und einzigartig macht. Der Teil, der an die Oberfläche will, wenn niemand zusieht. Es ist Zeit, dass du anfängst, ehrlich mit dir zu sein und darauf stolz zu sein.
Wer bist du, wenn du niemand sein musst?
Und zu dir, liebe alles andere als unbedeutende Person von der Ampel, ich weiß wer du wirklich bist. Und ich liebe dich dafür, auch wenn du es noch nicht tust.
→ https://www.youtube.com/watch?v=CQoObtJ4K8s
Freitag, 2. Februar 2018
Der richtige Zeitpunkt
Aufgrund jüngster Ereignisse sah ich mich gezwungen, die letzten Jahre vor meinem inneren Auge Revue passieren zu lassen und fragte mich dabei, was gewesen wäre, wenn und wann bloß der richtige Zeitpunkt für etwas ist. Die Antwort:
Es ist egal, was gewesen wäre wenn und es gibt keinen richtigen Zeitpunkt.
Manchmal wartet man ein Jahr, viereinhalb Jahre, zehn Jahre auf etwas, und es passiert einfach nicht, als würde das Universum gegen einen arbeiten. Man trauert vertanen Chancen hinterher und fragt sich, was man hätte anders machen können. Da sich aber die Vergangenheit nicht ändern lässt, sondern nur die Zukunft, ist es, wie oben erwähnt, völlig egal, was für alternative Szenarien es gegeben hätte.
Man muss mit der Situation wie sie ist vorlieb nehmen. Es hat auch keinen Sinn, auf einen Punkt in der Zukunft zu hoffen, an dem die Sterne richtig stehen und endlich die perfekten Voraussetzungen geschaffen sind. Der einzige Moment, in dem man wirklich in der Lage ist, etwas zu ändern, ist J.E.T.Z.T.
Das heißt, man muss akzeptieren, dass die Umstände nicht ideal sind, muss Risiken in Kauf nehmen, die Augen schließen und ins ungewisse, kalte Wasser springen. Natürlich macht es Angst, nicht zu wissen was kommt und Dinge zu tun, die das ganze Leben durcheinander wirbeln können, aber es ist noch schlimmer jahrelang darauf zu warten oder zu hoffen.
Ich will mich nicht mehr fragen müssen, was gewesen wäre, wenn.
Ich will wissen, was ist.
Über Mittelfinger und ausgestreckte Hände
Wie du mir, so ich dir. Ihr Lieben, Rache ist eine furchtbar unschöne Sache. Jeder, der sich schon einmal ungerecht behandelt gefühlt hat, kennt dieses Gefühl des Wunsches nach Vergeltung. Es gründet darin, dass wir möchten, dass jemand, der uns schlechte Laune oder Unglück beschert hat, nachempfinden soll, wie es uns geht. Doch dazu später mehr.
Wir leben leider Momentan in einer Welt der schlechten Nachrichten. Ich sage bewusst nicht, dass die Welt per se schlecht ist, obwohl ich das vielleicht könnte. Denn das erfasst den Kern der Sache nicht richtig. Es gibt so viel Schönes, so viele gute Nachrichten, sie schaffen es nur nicht in unser Blickfeld, weil sie von schlechten Ereignissen überschattet werden. Egal wo man hinschaut, begegnen uns Dinge, die das bunte unserer Welt in einen Grauschleier hüllen. Manche Dinge mehr, manche Dinge weniger. Intoleranz im Allgemeinen, Ausländerfeindlichkeit im Speziellen, Gewalt, Ungerechtigkeit, Pessimismus (der, wie ich bereits früher erwähnt habe, von seinen Anhängern auch gerne als Realismus verkauft wird), all das gehört mittlerweile zum Alltag.
Es fängt schon mit einer unfreundlichen Kassiererin morgens im Supermarkt an. Bei der vermeintlich schlecht gelaunten Dame an der Kasse fing es allerdings mit einem schlecht gelaunten Kunden an, der das "Guten Morgen" nicht erwidert, wortlos und ungeduldig sein Wechselgeld entgegennimmt und genau so wortlos den Laden verlässt. Sei ehrlich mit dir, warst du auch schon einmal dieser Kunde? Ich bin eben kein Morgenmensch, sagst du jetzt vielleicht, und du hast recht, wer ist das schon?
Es liegt bei uns selbst, die Welt ein kleines bisschen freundlicher und bunter zu machen. Egal ob du der Kunde oder die Kassiererin bist, wenn jemand unfreundlich zu dir ist, hat das häufig einen Grund und mindestens genau so häufig liegt dieser Grund eigentlich nicht an dir. Es heißt nicht umsonst (abgedroschenerweise), dass Lächeln die schönste Art ist, Zähne zu zeigen. Vielleicht kostet es Überwindung, zu jemandem nett zu sein, der uns unhöflich begegnet. Aber es bringt ein bisschen mehr Positivität in den Kreislauf des Lebens. Wenn jemand schlecht gelaunt ist, befindet er sich oft schon in der Erwartungshaltung, dass ihm Negatives widerfährt. Er erwartet, dass auf sein kühles Verhalten eventuell genau das selbe Verhalten zurück kommt, und sehr häufig passiert genau das. Es gibt doch nichts schöneres, als jemanden mit Freundlichkeit auf dem falschen Fuß zu erwischen. Es hat keinen Sinn, jemandem, der sowieso anscheinend keinen schönen Tag hat, diesen auch noch zu verschlechtern. Dein nettes "Guten Morgen", dein Lächeln, deine Geduld, dein Kompliment kann jemandem die schlechte Laune vertreiben. Nutzt dieses Potenzial, es kostet euch nichts und bringt trotzdem so viel.
Samstag, 12. August 2017
Laut Gedacht
Ihr Lieben, was ist das Schicksal bloß für ein seltsamer Zeitgenosse?
Jahrelang hatte man das Gefühl, es sei ein Partner auf Augenhöhe. Und dann, innerhalb eines Atemzuges, tritt die völlige Entropie des Lebens zu Tage.
Man hatte sich eine Zukunftsvision aufgebaut, der fünf-Jahres-Plan hatte Gestalt angenommen und die Richtung in die alles lief, war eine annehmbar gerade Linie. Das sollte also dieses Schicksal sein. Das Vorbestimmte, das, wovon man immer geträumt hat.
Doch nach einer mittelschweren Katastrophe nach der anderen, die den fünf-Jahres-Plan so gehörig durcheinander würfeln, dass er nur noch eine Karikatur seiner selbst ist, beginnt man sich zu fragen, wieso das Schicksal es einem so schwer macht. Verbissen wird versucht, alles wieder in die rechte Bahn zu lenken, man möchte ja nicht verlieren, was, so nimmt man an, für einen bestimmt ist. Denn was bleibt über, wenn man das verliert, was man immer als festen Teil der eigenen Perspektive gesehen hat? Bleibt noch genug vom Selbst? Man hat ein unfassbares Problem, diese Dinge aufzugeben, da man sich gleichzeitig eingestehen müsste, dass die Träume gescheitert sind, die Pläne ins Nichts gelaufen sind.
Man verflucht das Schicksal, wünscht sich die geordneten Verhältnisse zurück. Das Schicksal ist auf einmal Staatsfeind Nummer eins, der es nicht mehr gut mit einem meint.
Und hier ist der Denkfehler.
Denn das Schicksal kennt uns besser als wir uns je vorstellen können. Wenn etwas nicht funktioniert, obwohl man bis zur Selbstaufgabe alles dafür opfert, ist es nicht das Richtige. Das Schicksal ist, was kommt, wenn man das erkannt hat.
Vielleicht sind die Dinge, die für uns bestimmt sind, nicht das, was man sich so lange ausgemalt hat, sondern etwas völlig anderes. Das mag auf den ersten Blick erschreckend wirken, denn der Mensch ist selten dafür gemacht, seine Weltanschauung radikal zu verändern. Aber in dieser Ungewissheit und in diesen Neuanfängen steckt ein unfassbares Potenzial. Wenn man immer in seinen selbst gesteckten Grenzen bleibt, ist kein Raum für Wachstum.
Wir sollten uns trauen, neue Wege zu gehen, wenn wir feststellen, dass der bisherige nicht dahin führt, wo wir hin möchten.
Es kann sogar sein, dass man auf einmal erkennt, dass das, was man sich gewünscht hat, bereits seit langem auf einen gewartet hat. Mit dem Tunnelblick, den man durch festgefahrene Vorstellungen entwickelt, kann man so etwas nicht erkennen.
Ich bin dem Schicksal sehr dankbar, dass es mir die Augen geöffnet hat. Der Blick, der sich daraus ergibt, verschlägt mir die Sprache.
Für mehr Mut, neue Wege zu gehen,
Jahrelang hatte man das Gefühl, es sei ein Partner auf Augenhöhe. Und dann, innerhalb eines Atemzuges, tritt die völlige Entropie des Lebens zu Tage.
Man hatte sich eine Zukunftsvision aufgebaut, der fünf-Jahres-Plan hatte Gestalt angenommen und die Richtung in die alles lief, war eine annehmbar gerade Linie. Das sollte also dieses Schicksal sein. Das Vorbestimmte, das, wovon man immer geträumt hat.
Doch nach einer mittelschweren Katastrophe nach der anderen, die den fünf-Jahres-Plan so gehörig durcheinander würfeln, dass er nur noch eine Karikatur seiner selbst ist, beginnt man sich zu fragen, wieso das Schicksal es einem so schwer macht. Verbissen wird versucht, alles wieder in die rechte Bahn zu lenken, man möchte ja nicht verlieren, was, so nimmt man an, für einen bestimmt ist. Denn was bleibt über, wenn man das verliert, was man immer als festen Teil der eigenen Perspektive gesehen hat? Bleibt noch genug vom Selbst? Man hat ein unfassbares Problem, diese Dinge aufzugeben, da man sich gleichzeitig eingestehen müsste, dass die Träume gescheitert sind, die Pläne ins Nichts gelaufen sind.
Man verflucht das Schicksal, wünscht sich die geordneten Verhältnisse zurück. Das Schicksal ist auf einmal Staatsfeind Nummer eins, der es nicht mehr gut mit einem meint.
Und hier ist der Denkfehler.
Denn das Schicksal kennt uns besser als wir uns je vorstellen können. Wenn etwas nicht funktioniert, obwohl man bis zur Selbstaufgabe alles dafür opfert, ist es nicht das Richtige. Das Schicksal ist, was kommt, wenn man das erkannt hat.
Vielleicht sind die Dinge, die für uns bestimmt sind, nicht das, was man sich so lange ausgemalt hat, sondern etwas völlig anderes. Das mag auf den ersten Blick erschreckend wirken, denn der Mensch ist selten dafür gemacht, seine Weltanschauung radikal zu verändern. Aber in dieser Ungewissheit und in diesen Neuanfängen steckt ein unfassbares Potenzial. Wenn man immer in seinen selbst gesteckten Grenzen bleibt, ist kein Raum für Wachstum.
Wir sollten uns trauen, neue Wege zu gehen, wenn wir feststellen, dass der bisherige nicht dahin führt, wo wir hin möchten.
Es kann sogar sein, dass man auf einmal erkennt, dass das, was man sich gewünscht hat, bereits seit langem auf einen gewartet hat. Mit dem Tunnelblick, den man durch festgefahrene Vorstellungen entwickelt, kann man so etwas nicht erkennen.
Ich bin dem Schicksal sehr dankbar, dass es mir die Augen geöffnet hat. Der Blick, der sich daraus ergibt, verschlägt mir die Sprache.
Für mehr Mut, neue Wege zu gehen,
Eure sprachlose Nora
Donnerstag, 4. Mai 2017
Nora redet über schlechte Zeiten
"How lucky I am to have something that makes saying goodbye so hard."
Dieses Zitat stammt aus einem Kinderbuch, nämlich Winnie the Pooh. Irgendwie sind Kinderbücher doch immer die ehrlichsten. Mir stellt sich eine Frage:
Wann haben wir aufgehört, so ehrlich zu sein? Und zwar nicht unbedingt mit anderen, sondern mit uns selbst, wobei das eng miteinander zusammenhängt.
Strenge Eltern erziehen ihre Kinder zu guten Lügnern, so ein Artikel, der mir vor einiger Zeit aufgefallen ist. (hier klicken)
Negative Konsequenzen führen zu Vermeidungsverhalten, das ist eine der Grundregeln der Verhaltenspsychologie. Wenn ein Kind also für ein bestimmtes Verhalten Ärger bekommt, das ihm selbst aber Spaß macht, ist die logische Konsequenz für das Kind, dafür zu sorgen, dass die Eltern beim nächsten Mal nicht mitbekommen, wenn es etwas Verbotenes tut.
So beginnen Kinder schon früh damit, unehrlich zu sein. Gerade wenn Ehrlichkeit keine positiven Folgen hat (das Kind beichtet ein Fehlverhalten, bekommt aber trotzdem Ärger), wird dieses Verhalten noch weiter gefördert.
Und wenn es nicht schon reicht, dass wir von Kindesbeinen an unehrlich zu anderen sind, sind wir es auch noch zu uns selbst, aus genau den selben Gründen.
Wenn wir klein sind, beschweren wir uns über alles, was uns nicht passt. Man hat Hunger, man schreit, man wird gefüttert. Zu diesem Zeitpunkt ist alles noch sehr einfach. Sobald man älter wird, wird man dazu angehalten, diese Emotionen im Zaum zu halten, es macht sich einfach nicht gut, beim Gedanken an ein Sandwich in Tränen auszubrechen. Das ist ja prinzipiell auch richtig so, aber irgendwo auf dem Weg zum erwachsen sein haben wir die Fähigkeit verloren, auch mal unzufrieden zu sein, weil es sich nicht gehört. Große Kinder weinen nicht, Indianer kennen keinen Schmerz, wer kennt diese Sprüche nicht? Wenn es einem mal schlecht geht, versuchen wir es zu ignorieren, das Leben geht weiter, man hat möglichst unkompliziert und glücklich zu sein, wer ist schon gerne unzufrieden?
Angst und Traurigkeit sind zwei Basisemotionen, die wir, so gut es geht, aus unserem Leben verbannen. Man kauft Bücher übers Glücklich sein, man geht Bungee-Jumpen, hangelt sich von einem Adrenalin-Kick zur nächsten Belohnung (Essen, Shoppen, was auch immer) und fordert seine Serotonin- und Dopamin-Neurone auf, immer neue Höchstleistungen zu vollbringen.
Glücklich sein macht süchtig, wirklich wahr (Siehe dazu: z.B. "Runners High"). Und wenn wir dann mal im kalten Entzug landen, in einer Situation, in der wir den Boden unter den Füßen verlieren...? Früher hätten wir uns hingesetzt und geweint, und mit relativ großer Aussicht auf Erfolg hätte sich jemand um uns gekümmert und das Aua weggepustet.
Doch durch das erlernte Vermeidungsverhalten, das uns beibringt, "wenn wir so tun, als gäbe es kein Problem, gibt es keine negativen Konsequenzen", ignorieren wir unsere Probleme und tun so, als gäbe es sie nicht. Irgendwie sind wir nicht weit über das Versteckspielen im Kleinkindalter, bei dem man verschwindet, wenn man sich die Hände vor die Augen hält, hinausgekommen...
Ihr Lieben, Angst und Trauer haben uns in der Urzeit unser Überleben gesichtert. Wir sollten sie ernst nehmen, und ihnen einen gleichberechtigten Platz neben den anderen Basisemotionen einräumen. Man weiß die schönen Dinge erst zu schätzen, wenn man auch die negativen Seiten des Lebens kennengelernt hat. Emotionen leben von den Ausschlägen nach ganz oben und ganz unten, und sie haben einen Sinn. Sie sind evolutionär in uns verankert. So oft wird uns geraten, man solle im Moment leben, aber eben nicht nur im schönen Moment, sondern auch die Zeiten ganz unten in den Abgründen unserer Emotionen gehören dazu.
Könnte ich wählen, ich würde nicht den Rest meines Lebens nur glücklich sein wollen.
Und um auf das eingangs erwähnte Zitat zurück zu kommen, oftmals merken wir erst, wo unsere Prioritäten liegen, wenn uns die Gefahr droht, sie zu verlieren. Wo wir dann wieder bei den Basisemotionen wären, der (Verlust-)Angst. Freude, Glück und Liebe sind so eng mit Angst und Trauer verbunden wie Licht und Schatten, das eine wird nie ohne das andere existieren können und das ist doch eigentlich etwas herzzerreißend schönes. Bittersüß, wie das Leben eben so ist.
Ein kleiner Nachtrag für alle, denen langweilig ist:
Eine Geschichte, die zeigt, dass es nichts bringt, nur die schönen Seiten des Lebens wahrzunehmen ist übrigens folgende: (hier klicken)
Mich hat sie, seitdem ich sie das erste Mal vor fast zehn Jahren gehört habe, nicht mehr losgelassen. Mehr Selbstreflektion, Zufriedenheit und Altruismus als bei Buddha geht kaum, und das alles, diese Jahrhunderte überdauernden Erkenntnisse, gründen darauf, dass das Leben ohne Leid nicht funktioniert.
Dieses Zitat stammt aus einem Kinderbuch, nämlich Winnie the Pooh. Irgendwie sind Kinderbücher doch immer die ehrlichsten. Mir stellt sich eine Frage:
Wann haben wir aufgehört, so ehrlich zu sein? Und zwar nicht unbedingt mit anderen, sondern mit uns selbst, wobei das eng miteinander zusammenhängt.
Strenge Eltern erziehen ihre Kinder zu guten Lügnern, so ein Artikel, der mir vor einiger Zeit aufgefallen ist. (hier klicken)
Negative Konsequenzen führen zu Vermeidungsverhalten, das ist eine der Grundregeln der Verhaltenspsychologie. Wenn ein Kind also für ein bestimmtes Verhalten Ärger bekommt, das ihm selbst aber Spaß macht, ist die logische Konsequenz für das Kind, dafür zu sorgen, dass die Eltern beim nächsten Mal nicht mitbekommen, wenn es etwas Verbotenes tut.
So beginnen Kinder schon früh damit, unehrlich zu sein. Gerade wenn Ehrlichkeit keine positiven Folgen hat (das Kind beichtet ein Fehlverhalten, bekommt aber trotzdem Ärger), wird dieses Verhalten noch weiter gefördert.
Und wenn es nicht schon reicht, dass wir von Kindesbeinen an unehrlich zu anderen sind, sind wir es auch noch zu uns selbst, aus genau den selben Gründen.
Wenn wir klein sind, beschweren wir uns über alles, was uns nicht passt. Man hat Hunger, man schreit, man wird gefüttert. Zu diesem Zeitpunkt ist alles noch sehr einfach. Sobald man älter wird, wird man dazu angehalten, diese Emotionen im Zaum zu halten, es macht sich einfach nicht gut, beim Gedanken an ein Sandwich in Tränen auszubrechen. Das ist ja prinzipiell auch richtig so, aber irgendwo auf dem Weg zum erwachsen sein haben wir die Fähigkeit verloren, auch mal unzufrieden zu sein, weil es sich nicht gehört. Große Kinder weinen nicht, Indianer kennen keinen Schmerz, wer kennt diese Sprüche nicht? Wenn es einem mal schlecht geht, versuchen wir es zu ignorieren, das Leben geht weiter, man hat möglichst unkompliziert und glücklich zu sein, wer ist schon gerne unzufrieden?
Angst und Traurigkeit sind zwei Basisemotionen, die wir, so gut es geht, aus unserem Leben verbannen. Man kauft Bücher übers Glücklich sein, man geht Bungee-Jumpen, hangelt sich von einem Adrenalin-Kick zur nächsten Belohnung (Essen, Shoppen, was auch immer) und fordert seine Serotonin- und Dopamin-Neurone auf, immer neue Höchstleistungen zu vollbringen.
Glücklich sein macht süchtig, wirklich wahr (Siehe dazu: z.B. "Runners High"). Und wenn wir dann mal im kalten Entzug landen, in einer Situation, in der wir den Boden unter den Füßen verlieren...? Früher hätten wir uns hingesetzt und geweint, und mit relativ großer Aussicht auf Erfolg hätte sich jemand um uns gekümmert und das Aua weggepustet.
Doch durch das erlernte Vermeidungsverhalten, das uns beibringt, "wenn wir so tun, als gäbe es kein Problem, gibt es keine negativen Konsequenzen", ignorieren wir unsere Probleme und tun so, als gäbe es sie nicht. Irgendwie sind wir nicht weit über das Versteckspielen im Kleinkindalter, bei dem man verschwindet, wenn man sich die Hände vor die Augen hält, hinausgekommen...
Ihr Lieben, Angst und Trauer haben uns in der Urzeit unser Überleben gesichtert. Wir sollten sie ernst nehmen, und ihnen einen gleichberechtigten Platz neben den anderen Basisemotionen einräumen. Man weiß die schönen Dinge erst zu schätzen, wenn man auch die negativen Seiten des Lebens kennengelernt hat. Emotionen leben von den Ausschlägen nach ganz oben und ganz unten, und sie haben einen Sinn. Sie sind evolutionär in uns verankert. So oft wird uns geraten, man solle im Moment leben, aber eben nicht nur im schönen Moment, sondern auch die Zeiten ganz unten in den Abgründen unserer Emotionen gehören dazu.
Könnte ich wählen, ich würde nicht den Rest meines Lebens nur glücklich sein wollen.
Und um auf das eingangs erwähnte Zitat zurück zu kommen, oftmals merken wir erst, wo unsere Prioritäten liegen, wenn uns die Gefahr droht, sie zu verlieren. Wo wir dann wieder bei den Basisemotionen wären, der (Verlust-)Angst. Freude, Glück und Liebe sind so eng mit Angst und Trauer verbunden wie Licht und Schatten, das eine wird nie ohne das andere existieren können und das ist doch eigentlich etwas herzzerreißend schönes. Bittersüß, wie das Leben eben so ist.
Ein kleiner Nachtrag für alle, denen langweilig ist:
Eine Geschichte, die zeigt, dass es nichts bringt, nur die schönen Seiten des Lebens wahrzunehmen ist übrigens folgende: (hier klicken)
Mich hat sie, seitdem ich sie das erste Mal vor fast zehn Jahren gehört habe, nicht mehr losgelassen. Mehr Selbstreflektion, Zufriedenheit und Altruismus als bei Buddha geht kaum, und das alles, diese Jahrhunderte überdauernden Erkenntnisse, gründen darauf, dass das Leben ohne Leid nicht funktioniert.
Dienstag, 25. April 2017
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Bisher gab es auf jede Frage eine Antwort, manchmal dauert es nur etwas. Ein schöner Zeitpunkt, sich in Geduld zu üben also. Man wächst mit seinen Aufgaben (so wie die Leber)
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