Samstag, 12. August 2017

Laut Gedacht

Ihr Lieben, was ist das Schicksal bloß für ein seltsamer Zeitgenosse?    

Jahrelang hatte man das Gefühl, es sei ein Partner auf Augenhöhe. Und dann, innerhalb eines Atemzuges, tritt die völlige Entropie des Lebens zu Tage.
Man hatte sich eine Zukunftsvision aufgebaut, der fünf-Jahres-Plan hatte Gestalt angenommen und die Richtung in die alles lief, war eine annehmbar gerade Linie. Das sollte also dieses Schicksal sein. Das Vorbestimmte, das, wovon man immer geträumt hat. 
 
Doch nach einer mittelschweren Katastrophe nach der anderen, die den fünf-Jahres-Plan so gehörig durcheinander würfeln, dass er nur noch eine Karikatur seiner selbst ist, beginnt man sich zu fragen, wieso das Schicksal es einem so schwer macht. Verbissen wird versucht, alles wieder in die rechte Bahn zu lenken, man möchte ja nicht verlieren, was, so nimmt man an, für einen bestimmt ist. Denn was bleibt über, wenn man das verliert, was man immer als festen Teil der eigenen Perspektive gesehen hat? Bleibt noch genug vom Selbst? Man hat ein unfassbares Problem, diese Dinge aufzugeben, da man sich gleichzeitig eingestehen müsste, dass die Träume gescheitert sind, die Pläne ins Nichts gelaufen sind.
 
Man verflucht das Schicksal, wünscht sich die geordneten Verhältnisse zurück. Das Schicksal ist auf einmal Staatsfeind Nummer eins, der es nicht mehr gut mit einem meint.
Und hier ist der Denkfehler. 
 
Denn das Schicksal kennt uns besser als wir uns je vorstellen können. Wenn etwas nicht funktioniert, obwohl man bis zur Selbstaufgabe alles dafür opfert, ist es nicht das Richtige. Das Schicksal ist, was kommt, wenn man das erkannt hat. 
Vielleicht sind die Dinge, die für uns bestimmt sind, nicht das, was man sich so lange ausgemalt hat, sondern etwas völlig anderes. Das mag auf den ersten Blick erschreckend wirken, denn der Mensch ist selten dafür gemacht, seine Weltanschauung radikal zu verändern. Aber in dieser Ungewissheit und in diesen Neuanfängen steckt ein unfassbares Potenzial. Wenn man immer in seinen selbst gesteckten Grenzen bleibt, ist kein Raum für Wachstum. 
Wir sollten uns trauen, neue Wege zu gehen, wenn wir feststellen, dass der bisherige nicht dahin führt, wo wir hin möchten. 
 
Es kann sogar sein, dass man auf einmal erkennt, dass das, was man sich gewünscht hat, bereits seit langem auf einen gewartet hat. Mit dem Tunnelblick, den man durch festgefahrene Vorstellungen entwickelt, kann man so etwas nicht erkennen. 
Ich bin dem Schicksal sehr dankbar, dass es mir die Augen geöffnet hat. Der Blick, der sich daraus ergibt, verschlägt mir die Sprache. 
 
Für mehr Mut, neue Wege zu gehen,

 

Eure sprachlose Nora

 



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen