Mittwoch, 25. April 2012

Es ist immer genug Liebe da.

"Das Radio lief, und Riccardo Cocciante sang 'Sincerità', ho lavorato tutto il giorno, ich hab' den ganzen Tag gearbeitet, und als die Nacht kam, waren die Sterne am Himmel, und ich kehre zu dir zurück und will dir alles von mir geben, i giorni e tutte le notti, die Tage und die Nächte, sincerità" 

Elke Heidenreich - (Es ist immer genug Liebe da)

Im März 2011 hat meine Mutter mir dieses Buch geschenkt, auf der ersten Seite steht eine Widmung, "zum Andenken und zur Erinnerung an alle Zeiten,  deine Mami". Elke Heidenreich war schon immer eine meiner Lieblingsschriftstellerinnen, und besonders dieses Buch hat mich schon in einigen Situationen daran erinnert, dass noch genug Liebe da ist. 
Manchmal stellt sich einem diese Frage, "Ist denn noch genug Liebe da?", man hat Angst, dass sie eines Tages einfach aufgebraucht ist, verschwunden, wie Erdbeeren aus dem Kühlschrank.
Die Angst wirkt real, man sucht nach Beweisen dafür, dass die Liebe verschwunden ist, findet noch so kleine Indizien dafür, dass man bei der Verteilung der Liebe leer ausgeht. Wohlmöglich gibt es sogar noch einen anderen Menschen, dem die Liebe zu Teil wird, die einem selbst zusteht. 

Aber diese Argumentation enthält einen Denkfehler. Dort wo man hingehört, wird immer genug Liebe da sein, bei seinen Eltern und bei den anderen Menschen, die einen bedingungslos lieben. Vielleicht braucht man einige Zeit herauszufinden, wer diese Menschen sind, aber wenn man sie gefunden hat weiß man, dass man sich auf ewig darauf verlassen kann, dass die Liebe bleiben wird. Denn Liebe ist nichts greifbares, nichts Materielles, nichts, was man zählen kann, oder an bestimmten Dingen festmachen kann. Liebe wird nicht weniger, wenn man liebt, sie verbraucht sich nicht. Sicher gibt es Zeitpunkte, zu denen man sich streitet. Aber der Grund, warum diese Auseinandersetzungen so verletzen ist, dass man liebt. Konflikte werden immer da sein, aber Liebe eben auch, und die wird bleiben wenn der Streit geht. 
Es ist immer genug Liebe da.

Mittwoch, 18. April 2012

Warum auch?

Woher nimmt ein Mensch die Motivation, an etwas zu glauben, was aussichtlos erscheint? Das Leben ist zugegebenermaßen nie einfach und manchmal auch überhaupt nicht schön. In diesen Momenten absoluter Dunkelheit wäre es, so würde man meinen, das einfachste, den dunklen Weg den man geht, zu verlassen. Sich umzudrehen, oder in eine andere Richtung zu laufen, dorthin wo man neues Licht vermutet. Dieser Weg des geringsten Widerstandes bedeutet auch, das aufzugeben, wofür man am Anfang bereit war in die tiefste Schwärze des Universums zu gehen, den weitesten Weg auf sich zu nehmen. Einmal eine ähnliche Situation erlebt zu haben, vergisst man sicher nicht. Von einem Tag auf den anderen in die unbarmherzige Kälte des Nichts geworfen zu werden, in die Grauzone des Unverständnisses schmerzt mehr, als man es erklären kann. Ich bin nicht umgekehrt oder habe eine neue Richtung eingeschlagen, ich hatte das Gefühl stehen zu bleiben, mich keinen Zentimeter bewegen zu können. Paralysiert von der Grausamkeit zu wissen, nichts ist mehr so, wie es vorher einmal war. Unfähig irgendwie logisch zu handeln, ist diese Zeit wie eine meterhohe Welle aus Emotionen und Situationen, denen ich nicht gewachsen war, über mir zusammengeschlagen. Niemand konnte mir wirklich helfen bei dem, was in mir vorging, auch wenn einige es versucht haben. Natürlich habe ich daran gedacht, umzukehren, wollte raus aus dem Elend. Mehr als einmal. Doch nach einiger Zeit, den Blick darauf gerichtet, wo einmal das Licht der Hoffnung am Ende des Weges war, lichtete Sich der Nebel meines geistigen Unvermögens. Die Erinnerung daran, weshalb ich beschlossen hatte, diesen Weg zu gehen kam zurück und mit ihr der Wille, ihn weiter zu gehen. Denn das Licht, dass sich am Ende dieses Weges befindet, ist heller und wärmer, als es jedes andere jemals sein kann. Das Licht ist es wert, die Dunkelheit zu ertragen, das Umhertreiben im Meer von unausgesprochenen Fragen, jeden noch so steinigen Abschnitt, der sich mir noch in den Weg stellt. Ich bin gefallen, aber ich bin aufgestanden, um diesen Weg weiterzugehen, und ich werde so lange damit weitermachen, bis ich jede irdische Möglichkeit ausgeschöpt habe, den Weg zu gehen. Denn hinter der Dunkelheit ist das Licht, genauso wie hinter den Wolken immer die Sonne ist, selbst wenn man sie nicht sieht. Dieser Weg ist so wichtig für mich, dass ich ihn nie wieder verlassen will. Denn er führt zu dir. Darum.

www.youtube.com/watch?v=kL3enVPDuF0 


Dienstag, 17. April 2012

Musik

Irma - I know
www.youtube.com/watch?v=Mus0XbaGx0M

Shaka Ponk - My Name Is Stain
www.youtube.com/watch?v=fAM9uzZVTc0

Alex Clare - Relax my Beloved
www.youtube.com/watch?v=6TQBd_pYyYk

1:7 Milliarden

Um 21:31 Uhr am 17.02.2012 leben auf der Erde 7,041,119,901 Menschen. Und von diesen Über 7 Milliarden Menschen bin ich ausgerechnet dir begegnet. Die Vorstellung, dich nicht zu kennen, verläuft ins Leere, du bist aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Du wirst auf ewig ein Teil davon sein, unausweichlich, denn es gibt Dinge, die vergisst man nicht. Niemals. Die Chance, von diesen unfassbar vielen Menschen innerhalb eines Lebens jemanden zu finden, der die eigene  Existenz auf eine so elementare Art und Weise verändert wie du meins, ist mit 1 zu 7 Milliarden um ein vielfaches geringer, als die, im Lotto zu gewinnen (1 zu 13.983.816). Ob es nun Glück oder Schicksal ist, diese Person tatsächlich zu finden, weiß ich nicht. Der Jackpot meines Lebens, der schönste den es gibt.

Ich würde behaupten, niemand kennt dich so wie ich. Nicht etwa, weil ich für mich in Anspruch nehme, dich besser als jeder andere zu kennen. Das kann ich gar nicht. Sondern weil dich (hoffentlich) niemand mit meinen Augen sieht, das in dir sieht, was mich so unendlich fasziniert, und die restlichen 7 Milliarden Menschen wie im Grauschleier verblassen lässt. Niemand sieht in deinen Augen meine Erinnerungen an dich. Niemand wird nachvollziehen können, warum der Mond, wenn er nicht da ist, so viel wichtiger ist, als sonst. Einzigartig, jede einzelne Sekunde in deiner Gegenwart, kostbarer als Gold oder Platin, materielle Maßstäbe reichen eben nicht, um auszudrücken was es mir bedeutet, bei dir zu sein. Ab und zu bringst du mich aus der Fassung. Schuldig im Sinne der Anklage, verurteilt zu lebenslangem Existieren in meiner Sphäre, wegen vorsetzlichem Raub meiner Fähigkeit ohne dich zu überleben. 

Sonntag, 1. April 2012

Kranke Gesellschaft

Ich mache mir Sorgen um die Welt, in der ich lebe. Nicht nur muss ich mich mit so lästigen Themen wie der Klimaerwärmung, Naturkatastrophen und Menschenrechtsverletzungen beschäftigen, sondern muss leider auch feststellen, dass die Gesellschaft, in der ich lebe vollkommen missraten ist. Der Mordfall der 11-Jährigen Lena aus Emden geht seit Tagen durch die Presse. Allein die Tatsache, dass ein junges Mädchen derart brutal misshandelt und ermordet wird, ist furchtbar. Aber es geht noch schlimmer. Ein 17-Jähriger wird verhaftet, gilt als dringend tatverdächtig. Ein Jugendlicher, in meinem Alter. Eigentlich sollte es folgendermaßen ablaufen: Der Tatverdächtige wird verhört, hat die Chance auszusagen. Er hat die Möglichkeit, zu gestehen, oder die Vorwürfe von sich zu weisen. Die Ermittlungen werden abgeschlossen, er wird entweder aus der Untersuchungshaft entlassen, sollte er unschuldig sein, oder angeklagt, um vor Gericht zur Verantwortung gezogen zu werden.
Was tatsächlich passiert ist: Die Bewohner Emdens und etliche andere erfahren durch die öffentliche Vorführung des Verdächtigen seine Identität, woraufhin das Verlangen nach "gerechter Strafe" laut wird. Der Junge wird von der Öffentlichkeit bereits als schuldig befunden. Die gerechte Strafe, die gefordert wird? Sein Tod. Und zwar ein grausamer. Lynchen soll man ihn. Nach ein paar Tagen die Wendung, die kaum jemand erwartet hat: der Jugendliche, der immer seine Unschuld beteuert hat, wird freigelassen. Er sei auf keinen Fall der Täter heißt es. Einige der Leute, die seinen Tod forderten, glauben dies nicht, protestieren weiter und fordern weiter Gerechtigkeit. Der ehemals Verdächtige ist in polizeilicher Obhut, es bestehe Gefahr für seine Gesundheit.
So, liebe Freunde. Das Leben dieses 17-Jährigen ist zerstört, auf unabsehbare Zeit. Jeder kennt ihn in seinem Wohnort. Kaum vorzustellen, wie man sich fühlt, zu Unrecht im Gefängnis, die Reaktion der Öffentlichkeit sind Morddrohungen. Ehrlich mal. Wie dumm, wie naiv, wie falsch ist es, jemandem das zu wünschen, für das man ihn verurteilt? Unsere Justiz sollte dafür da sein, Recht und Unrecht zu erkennen und gerechte Strafen zu verteilen. Aus gutem Grund ist die Todesstrafe in Deutschland verboten. Die Öffentlichkeit kann und darf niemanden für schuldig oder unschuldig befinden und noch weniger darf sie das Leben eines Menschen so zerstören. Sicher hat die Polizei aufgrund der medialen Inszenierung der Festnahme eine nicht unerhebliche Mitschuld, doch die Menschen, die sich den Tod des Jungen gewünscht haben, sind die, die mich am meisten schockieren. Ein klarer Fall dafür, dass man nachdenken sollte bevor man handelt. Ich kann es nur noch einmal wiederholen, MAN KANN VERDAMMT NOCHMAL NIEMANDEM DAS WÜNSCHEN ODER ANTUN, FÜR DAS MAN IHN VERURTEILT!