Ich mache mir Sorgen um die Welt, in der ich lebe. Nicht nur muss ich mich mit so lästigen Themen wie der Klimaerwärmung, Naturkatastrophen und Menschenrechtsverletzungen beschäftigen, sondern muss leider auch feststellen, dass die Gesellschaft, in der ich lebe vollkommen missraten ist. Der Mordfall der 11-Jährigen Lena aus Emden geht seit Tagen durch die Presse. Allein die Tatsache, dass ein junges Mädchen derart brutal misshandelt und ermordet wird, ist furchtbar. Aber es geht noch schlimmer. Ein 17-Jähriger wird verhaftet, gilt als dringend tatverdächtig. Ein Jugendlicher, in meinem Alter. Eigentlich sollte es folgendermaßen ablaufen: Der Tatverdächtige wird verhört, hat die Chance auszusagen. Er hat die Möglichkeit, zu gestehen, oder die Vorwürfe von sich zu weisen. Die Ermittlungen werden abgeschlossen, er wird entweder aus der Untersuchungshaft entlassen, sollte er unschuldig sein, oder angeklagt, um vor Gericht zur Verantwortung gezogen zu werden.
Was tatsächlich passiert ist: Die Bewohner Emdens und etliche andere erfahren durch die öffentliche Vorführung des Verdächtigen seine Identität, woraufhin das Verlangen nach "gerechter Strafe" laut wird. Der Junge wird von der Öffentlichkeit bereits als schuldig befunden. Die gerechte Strafe, die gefordert wird? Sein Tod. Und zwar ein grausamer. Lynchen soll man ihn. Nach ein paar Tagen die Wendung, die kaum jemand erwartet hat: der Jugendliche, der immer seine Unschuld beteuert hat, wird freigelassen. Er sei auf keinen Fall der Täter heißt es. Einige der Leute, die seinen Tod forderten, glauben dies nicht, protestieren weiter und fordern weiter Gerechtigkeit. Der ehemals Verdächtige ist in polizeilicher Obhut, es bestehe Gefahr für seine Gesundheit.
So, liebe Freunde. Das Leben dieses 17-Jährigen ist zerstört, auf unabsehbare Zeit. Jeder kennt ihn in seinem Wohnort. Kaum vorzustellen, wie man sich fühlt, zu Unrecht im Gefängnis, die Reaktion der Öffentlichkeit sind Morddrohungen. Ehrlich mal. Wie dumm, wie naiv, wie falsch ist es, jemandem das zu wünschen, für das man ihn verurteilt? Unsere Justiz sollte dafür da sein, Recht und Unrecht zu erkennen und gerechte Strafen zu verteilen. Aus gutem Grund ist die Todesstrafe in Deutschland verboten. Die Öffentlichkeit kann und darf niemanden für schuldig oder unschuldig befinden und noch weniger darf sie das Leben eines Menschen so zerstören. Sicher hat die Polizei aufgrund der medialen Inszenierung der Festnahme eine nicht unerhebliche Mitschuld, doch die Menschen, die sich den Tod des Jungen gewünscht haben, sind die, die mich am meisten schockieren. Ein klarer Fall dafür, dass man nachdenken sollte bevor man handelt. Ich kann es nur noch einmal wiederholen, MAN KANN VERDAMMT NOCHMAL NIEMANDEM DAS WÜNSCHEN ODER ANTUN, FÜR DAS MAN IHN VERURTEILT!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen