Dienstag, 9. August 2011

Über Melancholie und die Kunst Loszulassen

Melancholie war früher das, was wir heute als Depression bezeichnen. Aber Sprache verändert sich im Laufe der Zeit und heute bezeichnet man damit einen Gemütszustand, der keineswegs etwas mit einer Krankheit zu tun hat. Man könnte es vielleicht mit 'nachdenklich' beschreiben. Im Synonymwörterbuch stehen hingegen nur Wörter, die auf die ursprüngliche Bedeutung hinweisen. Ich kann gar nicht verstehen, warum alle Melancholie so negativ sehen, ich finde das total positiv. Melancholie sind für mich best-case-Gedanken (nieder mit worst-case-Pessimisten! Euch konvertieren wir schon noch zum Optimismus.), Lebkuchen und Tee an einem verregneten Nachmittag, das positive Schweigen von Menschen, die nicht miteinander reden müssen um sich zu verstehen, das erste Stück blaue Himmel nach einem Gewitter, oder die Gewissheit, dass die Sonne hinter den Wolken trotzdem scheint. Vielleicht habe ich ein seltsames Verständnis von Melancholie, oder der deutschen Sprache fehlt mal wieder ein Wort, eines das genau diese positive Melancholie bezeichnet.

Themawechsel:
Ich habe vor ein paar Tagen ein WUNDERBARES Buch erstanden, "Wreck this Journal" von Keri Smith. Das Buch ist allerdings nicht ausschließlich zum Lesen gedacht. Auf jeder Seite stehen Anweisungen, dieses Buch auf eine äußerst kreative Art und Weise zu etwas einzigartigem (und irgendwie kaputtem) zu machen.
zum Beispiel:
"Ask a friend to do something destructive to this page. Don't look."
"Tear this page out. Put it in your pocket. put it throgh the wash. put it back in."
Herrlich. Ich bin einer dieser Menschen die nur ungern etwas wegschmeißen und am liebsten alles aufgeräumt haben. Ohne übertreiben zu wollen, dieses Buch macht mich zu einem entspannteren Menschen. Vor allem "tear this page out. throw it away. accept the loss." ist sehr aufschlussreich. Von manchen Dingen muss man sich einfach trennen, und hinterher wird es einem besser gehen, so ist das manchmal. 
Von einigen Dingen werde ich mich aber nie trennen, niemals. Festhalten und nie mehr loslassen ist auch eine Kunst. Basta.

4 Kommentare:

  1. Für mich war im Prinzip genau das immer die Beudeutung dieses Wortes. Deshlab bin ich auch davon überzeugt ein recht melancholischer Mensch zu sein...

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  2. Na dann bin ich ja nicht die einzige :)

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  3. Love that Book! :D Darf ich die Seite haben die man verbrennen muss? :)

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  4. Du darfst sie verbrennen, aber die asche kommt ins buch zurück :D

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