Liebe Leute,
lange genug ist es jetzt her, dass ich mich hingesetzt habe und meine Gedanken hier gelassen habe. Obwohl so viel Zeit vergangen ist, fühle ich mich heute wieder in die Situation zurück versetzt, in der ich diesen Blog begonnen habe. Ich habe ein wenig das Gefühl, als sei ich aus einem sehr langen Traum aufgewacht. Wenn ich an die letzten Jahre denke, sind sie wie im Zeitraffer vergangen. Ich bin von einem Ereignis zum nächsten gehastet und habe, das ist wirklich wahr, nicht ein einziges Mal in den letzten fünf oder sechs Jahren bewusst darüber nachgedacht, was gerade mit meinem Leben und mir passiert. Alles lief auf Autopilot. Ich habe mich immer gefühlt, als würde ich auf etwas warten. Als würde ich auf einen ganz bestimmten Punkt hinarbeiten, an dem alles Sinn macht. Zuerst, dachte ich, war es eine Liebesgeschichte, die mich lange begleiten sollte und von der ich nicht erwartet hätte, dass ihr Sinn sein sollte, zu enden, an einem ganz bestimmten Punkt meines Lebens. Dann das Abitur, dann das Studium, die erste Klausur, das erste Testat, das Physikum, die Doktorarbeit. Doch der Moment des angekommen Seins kam nie. Jetzt ist er da und er sieht so verdammt anders aus, als ich ihn mir vorgestellt habe.
Es sollte dieser magische, erfüllende Augenblick sein, an dem alles an seinen Platz fällt und alle ungelösten Fragen sich beantworten. Getaucht in gleißendes Licht und vielleicht sogar mit theatralischer Musik im Hintergrund. Was für ein absoluter Schwachsinn.
Der Moment, an dem sich die Wahrheit offenbart, warum ich mich noch nicht angekommen gefühlt habe, ist niederschmetternd. Die Warheit ist hässlich, grotesk, eine Karikatur dessen, was sie hätte sein sollen.
Wir idealisieren Wahrheit immer als etwas pures, reines, erstrebenswertes. Dabei ist sie nichts, außer einfach nur wahr. Sie kann brutal sein, einen mit voller Wucht treffen, verletzen, sie kann einen auffangen, einem Sicherheit geben. Sie hat in etwa so viele Gesichter, wie es Sand am Meer gibt.
Das Problem mit der Wahrheit, besonders mit der unangenehmen, ist, dass sie wahr bleibt, egal wie sehr man versucht, sie zu ignorieren oder sich selbst zu belügen. Sie bleibt immer da, als großer, dunkler Schatten. Solange man sie nicht aus der heuchlerischen Comfort-Zone des Ignorierens holt, fällt ihr Schatten auf alles, was um sie herum ist. Nichts glänzt so hell wie es könnte, kein Sonnenschein der guten Laune ist hell genug, um sie zu vertreiben, sobald die Sonne verschwunden ist, ist es stockfinster.
Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als ihr ins Gesicht zu sehen. Uns mit ihr zu beschäftigen und auseinanderzusetzen, um sie aus dem Weg zu räumen. Erst dann ist der Weg frei für das Licht, alle Bereiche unseres Lebens auszufüllen, eine freie Fläche ohne Schatten.
Ich habe damit angefangen und es gefällt mir gar nicht. Ich bin in meinen Grundfesten erschüttert, muss alles in Frage stellen, was ich bisher als gegeben angenommen habe. Aber es wird heller. Ich bin endlich aufgewacht, es gibt keinen Autopiloten mehr, ich übernehme wieder das Steuer. Die Unsicherheit hat etwas befreiendes.
Ich habe diesen Blog in einer Zeit begonnen in der ich mich so weit von mir entfernt hatte, dass ich mir wie eine fremde Person vorkam. Ich habe hier meine Gedanken festgehalten, weil ich mich selber wieder zusammensetzen musste, die Einzelteile finden musste, die mich ausmachen. Und nun bin ich wieder hier, weil mir klar geworden ist, dass ich sie neu zusammensetzen muss.
Auf eine Reise voller Licht, meine Lieben, wer auch immer das hier mitliest oder noch im Verteiler für neue Artikel ist. Oder auch nur mein Zukunfts-Ich, das in ein paar Jahren diesen Text liest und weiß, wohin der Weg geführt hat.
Zum Schluss eines meiner Lieblingszitate:
WHEN NOTHING IS CERTAIN, ANYTHING IS POSSIBLE.
Nora

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