Freitag, 14. April 2017

Selbstliebe

Durch eine ironische Laune des Schicksals, die selbst mir als humorvollem Menschen ein großes Maß an Toleranz abverlangt hat, sie als solche zu sehen, wurde ich mit dem Thema Selbstliebe konfrontiert.

Über Liebe habe ich hier so oft geschrieben, dass ich es mir doppelt und dreifach überlegen werde, es wieder zu tun. Irgendwann ist alles gesagt. Aber über Liebe zu sich selbst ist noch einiges offen.
Dabei ist sie so ein essentieller Bestandteil, vielleicht sogar die Basis auf der alles andere aufbauen muss.
Warum ist sie so schwierig? Warum gibt es unzählige Bücher, Magazine und Workshops, die sich damit beschäftigen?
Das Problem ist, dass man sich zunächst klar werden muss, wer man ist. Und das bedeutet eine detaillierte Auseinandersetzung mit allem, was zu einem selbst gehört. Und vor allem viel Ehrlichkeit mit sich selbst. 
Es geht nicht darum, sich zu überlegen, wer man gerne wäre (groß, gebräunt und gutaussehend) und dieses Ideal zu lieben. 
Man muss sich eingestehen, dass man eben ist, wer man ist, mit allem was dazu gehört. Wie so oft in der Liebe also auch hier ein "in guten, wie in schlechten Zeiten". Es geht um Akzeptanz und Objektivität. Leider ist man selten so subjektiv wie mit sich selbst. Zu einer Person gehören alle ihre Eigenschaften, die, die man gerne an sich sieht, und die, die man gerne ignorieren würde. Doch genau das ist ein Punkt, an dem unsere Selbstliebe den ersten Knacks bekommt und zum Selbstbetrug wird. Man kann die Sachen, die man an sich nicht mag, nicht ignorieren. Jeder, der das versucht hat, wird mir bestätigen, dass es nicht dauerhaft oder vollständig funktioniert. Der Schlüssel zum besseren Verhältnis mit sich selbst ist, diese Dinge als Teil von einem selbst zu akzeptieren. Alles was uns ausmacht, macht uns zu genau dem einzigartigen Menschen der wir sind. 
Das soll aber nicht heißen, dass man sich mit seinen negativen Zügen abfinden soll und die mittelmäßige Version von einem selbst bleiben muss, mit der man nicht zufrieden ist. Denn die Akzeptanz, dass diese Eigenschaften ein unveränderbarer Teil von einem selbst sind, bringt die Möglichkeit mit sich, daran zu arbeiten.  Dadurch, dass man manche Dinge an sich nicht ändern kann, ist dies allerdings ein lebenslanger Prozess mit Höhen und Tiefen. Nach der Akzeptanz braucht man also noch Anerkennung für die Erfolge und Nachsicht für Tiefschläge. Und die Erinnerung daran, dass man bereits erfolgreich für seine Ziele gearbeitet hat und das, egal an welchem Punkt, immer wieder möglich ist, auch wenn es ein langer Weg sein sollte.

Nach dem ganzen Fokus auf negativen Dingen wird es Zeit für Positives. Niemand besteht nur aus negativen Eigenschaften. Auch wenn sie zuweilen schwer zu finden sein mögen, die guten Charakterzüge sind da. Es ist verdammt wichtig, sich darauf zu besinnen, was man gut gemacht hat, denn von diesen positiven Gefühlen sich selbst gegenüber zehrt man in Zeiten, in denen man an sich zweifelt. Die guten Eigenschaften offenbaren sich oft in kleinen Erfolgen und sind vielleicht nicht sofort als solche zu erkennen. Sie können sein, dass man für andere da war, dass man wirklich gute Witze macht, dass man Rührei machen kann wie niemand sonst, dass man die wildesten Tagträume hat, andere motivieren kann... genau wie die schlechten Eigenschaften verschwinden sie nie. Aber sie müssen gepflegt werden, vielleicht ab und zu entstaubt werden und wieder vorsichtig erprobt. 

Selbstliebe ist also ein komplizierter Mix aus Stärken suchen und Schwächen akzeptieren. Das ist verdammt harte Arbeit, aber ein Prozess der sich unfassbar lohnt.

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