I survive because the fire within me burns brighter than the fire around me
Ihr Lieben, was treibt euch an?
Jeder von uns braucht etwas, das uns morgens aufstehen lässt. Und damit meine ich nicht das Pflichtgefühl und auch nichts so hochgegriffenes wie den Weltfrieden. Es reicht eine kleine Sache, die uns motiviert, ein Lächeln ins Gesicht zaubert und in schwierigen Zeiten die Kraftreserven mobilisiert. Viele Menschen verbringen viel Zeit ihres Lebens damit, so eine Sache zu finden. Unter dem Namen "Work and Travel" steigert Australien seit einiger Zeit mit dieser Suche sein Bruttoinlandsprodukt und unzählige Lifestyle-Magazine und Blogs ihren Umsatz.
Dabei ist das eigentlich völlig vergebens. Denn dieses Feuer, die intrinsische Motivation, ist etwas höchst individuelles, das einem niemand Fremdes geben kann.
Der Fehler in der vergeblichen Suche ist, auf andere Leute zu hören.
Die Strukturen, in denen wir leben, sind darauf ausgerichtet uns gleich zu machen. Schon in der frühsten Kindheit werden alle, die eben nicht so sind wie die anderen, alleine im Sandkasten sitzen. In der Schule haben wir alle das Gleiche zu lernen, unabhängig von individuellen Stärken. Und hier beginnt auch direkt die Indoktrination in eine Kultur des Vergleichens: jede Leistung wird bewertet ohne auch nur einen einzigen persönlichen Faktor mit einzubeziehen. Ein Zitat von Albert Einstein hat mich in diesem Zusammenhang schon immer sehr angesprochen:
"If you judge a fish on its ability to climb a tree, it will live its whole life believing it's stupid."
Kein Mensch ist gleich und niemand hat die selben Stärken, dennoch werden alle von klein auf dazu angehalten, die selben Leistungen zu erbringen. Dass dies bei jemandem, der nicht in die von der Gesellschaft anerkannten allgemeinen Leistungsstandarts passt, zu Frustration führt, ist vorprogrammiert.
Ich möchte hiermit natürlich nicht daran appellieren, Mathematik, Sport und Geschichte aus den Lernplänen zu streichen, eine möglichst breite Wissensbasis bietet selbstverständlich die besten Möglichkeiten zur Entfaltung.
Es fehlt nur in der Entwicklung, die man in der heutigen Zeit nimmt, ein ganz elementarer Teil: Indem man die ganze Zeit damit beschäftigt ist, in Dingen gut zu sein, in denen alle gut sein müssen, wird völlig vergessen, etwas zu finden, in dem nur man selbst gut ist.
Es fängt schon damit an, dass es oft nicht gern gesehen wird, wenn ein Kind Interesse in einem Gebiet zeigt, dass nicht ins allgemeine Geschlechterklischee passt. Ich möchte nicht wissen, wie viele grandiose weibliche Automechaniker oder männliche Kindergärtner wir schon verpasst haben.
Wenn man sich nun am Ende der Schulzeit, vielleicht in der zehnten Klasse, oft sogar noch später, mit der zukünftigen Berufswahl konfrontiert sieht, steht man also vor einem scheinbar unlösbarem Problem. Woher soll man wissen, was einem liegt und eine individuelle, passende Entscheidung treffen, wenn man sein ganzes Leben dazu genötigt wurde, genau das selbe zu tun, wie alle anderen auch?
Dann wird ein Multiple Choice Test zur besseren Berufsorientierung gemacht, dessen Ergebnis Freizeitparkdirektor ist. Dank dieses hilfreichen Instruments wird die einzig logische Konsequenz gezogen: Es wird BWL studiert. Optional: ein Auslandsjahr in einem möglichst weit entfernten, klimatisch angenehmen Land. Meiner Meinung ist das einzige, was man dort lernt, dass Urlaub machen super ist.
Dass man nach der Schule ein Jahr braucht, um das nachzuholen, was man neben Hausaufgaben, Referaten, Klavierunterricht und Hockeytraining an Persönlichkeitsentwicklung verpasst hat, zeigt schon, dass es gewaltige Fehler im System gibt.
Sonntag, 22. Dezember 2024
Samstag, 2. März 2019
Wer bist du, wenn du niemand sein musst?
Die menschliche Psyche ist für mich das Faszinierendste auf diesem Planeten voller unzähligen, kleinen, alltäglichen Wunder.
Es gibt ein Zitat aus dem Buch Sophies Welt von Jostein Gaarder:
"Wenn das Gehirn des Menschen so einfach wäre, dass wir es verstehen könnten, dann wären wir so dumm, dass wir es trotzdem nicht verstehen könnten."
Seit ich denken kann, hat es mich gereizt, zu wissen, was in den Köpfen meiner Mitmenschen vor sich geht.
Bei Einigen war dieses Bedürfnis deutlich stärker ausgeprägt, als bei anderen und ich habe lange versucht zu verstehen, warum dies so ist.
Ich dachte zunächst, ich würde Leuten ansehen, dass sie krank sind und oft hatte ich damit recht. Doch das war es nicht.
Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Situation von vor etwas über einem Jahr. Ich war morgens auf dem Weg zu einer Vorlesung, als mir jemand an einer Ampel gegenüberstand, der damals keine Rolle in meinem Leben spielte und mir nur flüchtig bekannt vorkam. Ich war eigentlich ins Gespräch mit meiner Freundin vertieft, als sich unsere Blicke trafen. Als ich gerade versuchte, das Gesicht einzuordnen, fiel es mir wieder auf. Dieser spezielle Blick, oder vielmehr etwas dahinter, was mich den ganzen Vormittag nicht aufhören ließ, an diese eigentlich unbedeutsame Begegnung zu denken.
Und heute, gefühlt ein halbes Leben später, weiß ich endlich, was es war, was in diesem Blick lag und was schon in so vielen Blicken (allerdings niemals in dieser Intensität) vorher lag, was mich nicht loslässt.
Es ist das wahre Ich dieser Personen, was in ihren Augen liegt.
Ich bin der festen Überzeugung, dass man als eine bestimmte Person geboren wird. Natürlich übt unsere Umwelt einen maximalen Einfluss auf uns aus und bestimmt so, wie sich unsere Persönlichkeit entwickelt, doch das wahre Ich, die Seele, oder die Genetik und Epigenetik, je nachdem, aus welchem Blickwinkel man diese Diskussion betrachten möchte, bildet immer die Basis.
Der Mensch überlebt durch Anpassung. Die kognitive Fähigkeit zur Adaptation hat uns schon seit jeher diesen unvergleichlichen Evolutionsvorteil gegeben, der es uns ermöglicht hat, Feuer zu entdecken, Häuser zu bauen, gefährliche Wölfe zu Chihuahuas zu züchten und ein Gerät zu erfinden, mit dem man gleichzeitig komplizierte Rechenaufgaben lösen und Videos von Papageien mit kleinen Hüten anschauen kann.
Ab dem Zeitpunkt der Geburt lernen wir, welche Verhaltensweisen uns einen möglichst großen Vorteil erbringen. Meist passiert dies über positive Verstärkung, das heißt, Verhaltensweisen, die positive Konsequenzen hatten, werden wiederholt.
Ab und zu wird allerdings auch ein Lerneffekt über Vermeidungsstrategien erzielt: negative Konsequenzen führen dazu, dass ein gewisses Verhalten vermieden wird.
Über diesen Prozess des Lernens, finden wir heraus, wie wir möglichst problemlos durch den Alltag kommen.
Bei manchen von uns hat der Weg des Lebens dazu geführt, Teile unserer Grundpersönlichkeit zu verstecken, da wir durch sie negative Konsequenzen erfahren haben.
Ein einfaches Beispiel: jeder Mensch hat ein natürliches Grundbedürfnis nach Bindung und Nähe, da es uns in den ersten Lebensjahren das Überleben sichtert, weil wir auf Andere angewiesen sind, die sich um uns kümmern. Wird dieses Grundbedürfnis enttäuscht, erlernen wir, uns zu distanzieren. Dieses erlernte Verhalten hilft zwar, uns vor erneuter Enttäuschung zu beschützen, überdeckt allerdings nicht vollständig das trotzdem noch vorhandene Bedürfnis, von dem dieses erlernte Verhalten abstammt.
Daher war meine ursprüngliche Annahme, dass das, was ich in dem Blick mancher Leute gesehen habe, ein Zeichen von Krankheit war, gar nicht so weit hergeholt. Denn irgendwann macht die Diskrepanz zwischen erlernter Anpassung und den tatsächlichen Bedürfnissen krank, wenn sie zu groß wird. Oft ist das erlernte Verhalten so tief verankert, dass man gar nicht mehr versteht, was die eigentlichen Bedürfnisse sind. Die Grundpersönlichkeit ist so weit in den Hintergrund gerückt, dass man die Verbindung zu ihr verloren hat. Die Folge sind Gefühlschaos, ein Unverständnis von sich selbst und ein unbestimmtes Gefühl, dass etwas nicht stimmt, obwohl augenscheinlich alles in Ordnung (oder sagen wir besser "wie immer") ist.
(Das ist übrigens nichts was ich mir ausgedacht habe, sondern integraler Bestandteil der tiefenpsychologischen Psychoanalyse und ähnlichen wissenschaftlich anerkannten psychologischen Ansätzen)
Kehren wir noch einmal zurück zu dem grauen Montagmorgen im Januar 2018.
Etwa 100 Meter nachdem wir uns über den Weg gelaufen waren, fiel mir ein, woher mir das Gesicht bekannt vorkam und während ich die folgenden Vorlesungsstunden wiederholt über diese 20 Sekunden nachdachte, wurde mir klar, was mich aufmerksam hatte werden lassen.
Das was ich in den Augen dieser Person sah, passte nicht zu dem, was ich bisher über sie wusste. Ich kannte ein paar Fotos auf einem Profil einer Social Media Seite und ein paar witzige, provokante Kommentare in einer Facebook-Gruppe, die ein völlig anderes Bild ergaben, als das was ich seit diesen 20 Sekunden in Ultrazeitlupe wieder und wieder in meinem Kopf abspielte.
Nach einer durch einen Zufall (jeder, der mich kennt weiß, dass ich nicht an Zufälle glaube) entstandenen schriftlichen Konversation lichtete sich die Verwirrung nicht wirklich, so dass eine Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht her musste.
Nach den ersten paar Minuten dieses Gesprächs hätte ich schwören können, ich hätte mich an der Ampel geirrt. Doch in einem unbemerkten Moment war er wieder da, der Blick, der die Sicht auf das freigab, was hinter dem optimal angepassten, begehrenswerten, über Jahre auf Erfolg geprüften System liegt.
Ich konnte es damals nicht genau benennen, aber es war das, was mich so sehr faszinierte an diesem Menschen. Weil der verborgene Teil um ein vielfaches interessanter, liebenswerter und ehrlicher ist, als das, was zum Schutz darüber liegt und das war mir rückblickend auch schon nach besagten 20 Sekunden an der Ampel klar.
Man sieht Menschen an, wer sie wirklich sind. Manche mussten lernen es besser zu verstecken als andere, aber es ist immer da.
Wir sind immer dann am glücklichsten, wenn wir wir selbst sein können. Dazu gehört auch, Abschied von der Wunschvorstellung zu nehmen, wie wir gerne wären, oder besser gesagt, wie wir glauben, dass uns andere gern hätten. Denn wir können natürlich an uns arbeiten und positive Aspekte unserer Grundpersönlichkeit verstärken, aber wir werden sie niemals ändern.
Das was du erlebt hast, hat dich stark gemacht, um dich dorthin zu bringen, wo du jetzt bist. Aber du bist immer noch du selbst, der selbe Mensch, der du seit deiner Geburt bist. Egal wie tief dieser Teil unter den erlernten Anpassungsverhaltensweisen vergraben ist, es ist der Teil der dich wertvoll und einzigartig macht. Der Teil, der an die Oberfläche will, wenn niemand zusieht. Es ist Zeit, dass du anfängst, ehrlich mit dir zu sein und darauf stolz zu sein.
Wer bist du, wenn du niemand sein musst?
Und zu dir, liebe alles andere als unbedeutende Person von der Ampel, ich weiß wer du wirklich bist. Und ich liebe dich dafür, auch wenn du es noch nicht tust.
→ https://www.youtube.com/watch?v=CQoObtJ4K8s
Es gibt ein Zitat aus dem Buch Sophies Welt von Jostein Gaarder:
"Wenn das Gehirn des Menschen so einfach wäre, dass wir es verstehen könnten, dann wären wir so dumm, dass wir es trotzdem nicht verstehen könnten."
Seit ich denken kann, hat es mich gereizt, zu wissen, was in den Köpfen meiner Mitmenschen vor sich geht.
Bei Einigen war dieses Bedürfnis deutlich stärker ausgeprägt, als bei anderen und ich habe lange versucht zu verstehen, warum dies so ist.
Ich dachte zunächst, ich würde Leuten ansehen, dass sie krank sind und oft hatte ich damit recht. Doch das war es nicht.
Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Situation von vor etwas über einem Jahr. Ich war morgens auf dem Weg zu einer Vorlesung, als mir jemand an einer Ampel gegenüberstand, der damals keine Rolle in meinem Leben spielte und mir nur flüchtig bekannt vorkam. Ich war eigentlich ins Gespräch mit meiner Freundin vertieft, als sich unsere Blicke trafen. Als ich gerade versuchte, das Gesicht einzuordnen, fiel es mir wieder auf. Dieser spezielle Blick, oder vielmehr etwas dahinter, was mich den ganzen Vormittag nicht aufhören ließ, an diese eigentlich unbedeutsame Begegnung zu denken.
Und heute, gefühlt ein halbes Leben später, weiß ich endlich, was es war, was in diesem Blick lag und was schon in so vielen Blicken (allerdings niemals in dieser Intensität) vorher lag, was mich nicht loslässt.
Es ist das wahre Ich dieser Personen, was in ihren Augen liegt.
Ich bin der festen Überzeugung, dass man als eine bestimmte Person geboren wird. Natürlich übt unsere Umwelt einen maximalen Einfluss auf uns aus und bestimmt so, wie sich unsere Persönlichkeit entwickelt, doch das wahre Ich, die Seele, oder die Genetik und Epigenetik, je nachdem, aus welchem Blickwinkel man diese Diskussion betrachten möchte, bildet immer die Basis.
Der Mensch überlebt durch Anpassung. Die kognitive Fähigkeit zur Adaptation hat uns schon seit jeher diesen unvergleichlichen Evolutionsvorteil gegeben, der es uns ermöglicht hat, Feuer zu entdecken, Häuser zu bauen, gefährliche Wölfe zu Chihuahuas zu züchten und ein Gerät zu erfinden, mit dem man gleichzeitig komplizierte Rechenaufgaben lösen und Videos von Papageien mit kleinen Hüten anschauen kann.
Ab dem Zeitpunkt der Geburt lernen wir, welche Verhaltensweisen uns einen möglichst großen Vorteil erbringen. Meist passiert dies über positive Verstärkung, das heißt, Verhaltensweisen, die positive Konsequenzen hatten, werden wiederholt.
Ab und zu wird allerdings auch ein Lerneffekt über Vermeidungsstrategien erzielt: negative Konsequenzen führen dazu, dass ein gewisses Verhalten vermieden wird.
Über diesen Prozess des Lernens, finden wir heraus, wie wir möglichst problemlos durch den Alltag kommen.
Bei manchen von uns hat der Weg des Lebens dazu geführt, Teile unserer Grundpersönlichkeit zu verstecken, da wir durch sie negative Konsequenzen erfahren haben.
Ein einfaches Beispiel: jeder Mensch hat ein natürliches Grundbedürfnis nach Bindung und Nähe, da es uns in den ersten Lebensjahren das Überleben sichtert, weil wir auf Andere angewiesen sind, die sich um uns kümmern. Wird dieses Grundbedürfnis enttäuscht, erlernen wir, uns zu distanzieren. Dieses erlernte Verhalten hilft zwar, uns vor erneuter Enttäuschung zu beschützen, überdeckt allerdings nicht vollständig das trotzdem noch vorhandene Bedürfnis, von dem dieses erlernte Verhalten abstammt.
Daher war meine ursprüngliche Annahme, dass das, was ich in dem Blick mancher Leute gesehen habe, ein Zeichen von Krankheit war, gar nicht so weit hergeholt. Denn irgendwann macht die Diskrepanz zwischen erlernter Anpassung und den tatsächlichen Bedürfnissen krank, wenn sie zu groß wird. Oft ist das erlernte Verhalten so tief verankert, dass man gar nicht mehr versteht, was die eigentlichen Bedürfnisse sind. Die Grundpersönlichkeit ist so weit in den Hintergrund gerückt, dass man die Verbindung zu ihr verloren hat. Die Folge sind Gefühlschaos, ein Unverständnis von sich selbst und ein unbestimmtes Gefühl, dass etwas nicht stimmt, obwohl augenscheinlich alles in Ordnung (oder sagen wir besser "wie immer") ist.
(Das ist übrigens nichts was ich mir ausgedacht habe, sondern integraler Bestandteil der tiefenpsychologischen Psychoanalyse und ähnlichen wissenschaftlich anerkannten psychologischen Ansätzen)
Kehren wir noch einmal zurück zu dem grauen Montagmorgen im Januar 2018.
Etwa 100 Meter nachdem wir uns über den Weg gelaufen waren, fiel mir ein, woher mir das Gesicht bekannt vorkam und während ich die folgenden Vorlesungsstunden wiederholt über diese 20 Sekunden nachdachte, wurde mir klar, was mich aufmerksam hatte werden lassen.
Das was ich in den Augen dieser Person sah, passte nicht zu dem, was ich bisher über sie wusste. Ich kannte ein paar Fotos auf einem Profil einer Social Media Seite und ein paar witzige, provokante Kommentare in einer Facebook-Gruppe, die ein völlig anderes Bild ergaben, als das was ich seit diesen 20 Sekunden in Ultrazeitlupe wieder und wieder in meinem Kopf abspielte.
Nach einer durch einen Zufall (jeder, der mich kennt weiß, dass ich nicht an Zufälle glaube) entstandenen schriftlichen Konversation lichtete sich die Verwirrung nicht wirklich, so dass eine Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht her musste.
Nach den ersten paar Minuten dieses Gesprächs hätte ich schwören können, ich hätte mich an der Ampel geirrt. Doch in einem unbemerkten Moment war er wieder da, der Blick, der die Sicht auf das freigab, was hinter dem optimal angepassten, begehrenswerten, über Jahre auf Erfolg geprüften System liegt.
Ich konnte es damals nicht genau benennen, aber es war das, was mich so sehr faszinierte an diesem Menschen. Weil der verborgene Teil um ein vielfaches interessanter, liebenswerter und ehrlicher ist, als das, was zum Schutz darüber liegt und das war mir rückblickend auch schon nach besagten 20 Sekunden an der Ampel klar.
Man sieht Menschen an, wer sie wirklich sind. Manche mussten lernen es besser zu verstecken als andere, aber es ist immer da.
Wir sind immer dann am glücklichsten, wenn wir wir selbst sein können. Dazu gehört auch, Abschied von der Wunschvorstellung zu nehmen, wie wir gerne wären, oder besser gesagt, wie wir glauben, dass uns andere gern hätten. Denn wir können natürlich an uns arbeiten und positive Aspekte unserer Grundpersönlichkeit verstärken, aber wir werden sie niemals ändern.
Das was du erlebt hast, hat dich stark gemacht, um dich dorthin zu bringen, wo du jetzt bist. Aber du bist immer noch du selbst, der selbe Mensch, der du seit deiner Geburt bist. Egal wie tief dieser Teil unter den erlernten Anpassungsverhaltensweisen vergraben ist, es ist der Teil der dich wertvoll und einzigartig macht. Der Teil, der an die Oberfläche will, wenn niemand zusieht. Es ist Zeit, dass du anfängst, ehrlich mit dir zu sein und darauf stolz zu sein.
Wer bist du, wenn du niemand sein musst?
Und zu dir, liebe alles andere als unbedeutende Person von der Ampel, ich weiß wer du wirklich bist. Und ich liebe dich dafür, auch wenn du es noch nicht tust.
→ https://www.youtube.com/watch?v=CQoObtJ4K8s
Freitag, 2. Februar 2018
Der richtige Zeitpunkt
Aufgrund jüngster Ereignisse sah ich mich gezwungen, die letzten Jahre vor meinem inneren Auge Revue passieren zu lassen und fragte mich dabei, was gewesen wäre, wenn und wann bloß der richtige Zeitpunkt für etwas ist. Die Antwort:
Es ist egal, was gewesen wäre wenn und es gibt keinen richtigen Zeitpunkt.
Manchmal wartet man ein Jahr, viereinhalb Jahre, zehn Jahre auf etwas, und es passiert einfach nicht, als würde das Universum gegen einen arbeiten. Man trauert vertanen Chancen hinterher und fragt sich, was man hätte anders machen können. Da sich aber die Vergangenheit nicht ändern lässt, sondern nur die Zukunft, ist es, wie oben erwähnt, völlig egal, was für alternative Szenarien es gegeben hätte.
Man muss mit der Situation wie sie ist vorlieb nehmen. Es hat auch keinen Sinn, auf einen Punkt in der Zukunft zu hoffen, an dem die Sterne richtig stehen und endlich die perfekten Voraussetzungen geschaffen sind. Der einzige Moment, in dem man wirklich in der Lage ist, etwas zu ändern, ist J.E.T.Z.T.
Das heißt, man muss akzeptieren, dass die Umstände nicht ideal sind, muss Risiken in Kauf nehmen, die Augen schließen und ins ungewisse, kalte Wasser springen. Natürlich macht es Angst, nicht zu wissen was kommt und Dinge zu tun, die das ganze Leben durcheinander wirbeln können, aber es ist noch schlimmer jahrelang darauf zu warten oder zu hoffen.
Ich will mich nicht mehr fragen müssen, was gewesen wäre, wenn.
Ich will wissen, was ist.
Über Mittelfinger und ausgestreckte Hände
Wie du mir, so ich dir. Ihr Lieben, Rache ist eine furchtbar unschöne Sache. Jeder, der sich schon einmal ungerecht behandelt gefühlt hat, kennt dieses Gefühl des Wunsches nach Vergeltung. Es gründet darin, dass wir möchten, dass jemand, der uns schlechte Laune oder Unglück beschert hat, nachempfinden soll, wie es uns geht. Doch dazu später mehr.
Wir leben leider Momentan in einer Welt der schlechten Nachrichten. Ich sage bewusst nicht, dass die Welt per se schlecht ist, obwohl ich das vielleicht könnte. Denn das erfasst den Kern der Sache nicht richtig. Es gibt so viel Schönes, so viele gute Nachrichten, sie schaffen es nur nicht in unser Blickfeld, weil sie von schlechten Ereignissen überschattet werden. Egal wo man hinschaut, begegnen uns Dinge, die das bunte unserer Welt in einen Grauschleier hüllen. Manche Dinge mehr, manche Dinge weniger. Intoleranz im Allgemeinen, Ausländerfeindlichkeit im Speziellen, Gewalt, Ungerechtigkeit, Pessimismus (der, wie ich bereits früher erwähnt habe, von seinen Anhängern auch gerne als Realismus verkauft wird), all das gehört mittlerweile zum Alltag.
Es fängt schon mit einer unfreundlichen Kassiererin morgens im Supermarkt an. Bei der vermeintlich schlecht gelaunten Dame an der Kasse fing es allerdings mit einem schlecht gelaunten Kunden an, der das "Guten Morgen" nicht erwidert, wortlos und ungeduldig sein Wechselgeld entgegennimmt und genau so wortlos den Laden verlässt. Sei ehrlich mit dir, warst du auch schon einmal dieser Kunde? Ich bin eben kein Morgenmensch, sagst du jetzt vielleicht, und du hast recht, wer ist das schon?
Es liegt bei uns selbst, die Welt ein kleines bisschen freundlicher und bunter zu machen. Egal ob du der Kunde oder die Kassiererin bist, wenn jemand unfreundlich zu dir ist, hat das häufig einen Grund und mindestens genau so häufig liegt dieser Grund eigentlich nicht an dir. Es heißt nicht umsonst (abgedroschenerweise), dass Lächeln die schönste Art ist, Zähne zu zeigen. Vielleicht kostet es Überwindung, zu jemandem nett zu sein, der uns unhöflich begegnet. Aber es bringt ein bisschen mehr Positivität in den Kreislauf des Lebens. Wenn jemand schlecht gelaunt ist, befindet er sich oft schon in der Erwartungshaltung, dass ihm Negatives widerfährt. Er erwartet, dass auf sein kühles Verhalten eventuell genau das selbe Verhalten zurück kommt, und sehr häufig passiert genau das. Es gibt doch nichts schöneres, als jemanden mit Freundlichkeit auf dem falschen Fuß zu erwischen. Es hat keinen Sinn, jemandem, der sowieso anscheinend keinen schönen Tag hat, diesen auch noch zu verschlechtern. Dein nettes "Guten Morgen", dein Lächeln, deine Geduld, dein Kompliment kann jemandem die schlechte Laune vertreiben. Nutzt dieses Potenzial, es kostet euch nichts und bringt trotzdem so viel.
Samstag, 12. August 2017
Laut Gedacht
Ihr Lieben, was ist das Schicksal bloß für ein seltsamer Zeitgenosse?
Jahrelang hatte man das Gefühl, es sei ein Partner auf Augenhöhe. Und dann, innerhalb eines Atemzuges, tritt die völlige Entropie des Lebens zu Tage.
Man hatte sich eine Zukunftsvision aufgebaut, der fünf-Jahres-Plan hatte Gestalt angenommen und die Richtung in die alles lief, war eine annehmbar gerade Linie. Das sollte also dieses Schicksal sein. Das Vorbestimmte, das, wovon man immer geträumt hat.
Doch nach einer mittelschweren Katastrophe nach der anderen, die den fünf-Jahres-Plan so gehörig durcheinander würfeln, dass er nur noch eine Karikatur seiner selbst ist, beginnt man sich zu fragen, wieso das Schicksal es einem so schwer macht. Verbissen wird versucht, alles wieder in die rechte Bahn zu lenken, man möchte ja nicht verlieren, was, so nimmt man an, für einen bestimmt ist. Denn was bleibt über, wenn man das verliert, was man immer als festen Teil der eigenen Perspektive gesehen hat? Bleibt noch genug vom Selbst? Man hat ein unfassbares Problem, diese Dinge aufzugeben, da man sich gleichzeitig eingestehen müsste, dass die Träume gescheitert sind, die Pläne ins Nichts gelaufen sind.
Man verflucht das Schicksal, wünscht sich die geordneten Verhältnisse zurück. Das Schicksal ist auf einmal Staatsfeind Nummer eins, der es nicht mehr gut mit einem meint.
Und hier ist der Denkfehler.
Denn das Schicksal kennt uns besser als wir uns je vorstellen können. Wenn etwas nicht funktioniert, obwohl man bis zur Selbstaufgabe alles dafür opfert, ist es nicht das Richtige. Das Schicksal ist, was kommt, wenn man das erkannt hat.
Vielleicht sind die Dinge, die für uns bestimmt sind, nicht das, was man sich so lange ausgemalt hat, sondern etwas völlig anderes. Das mag auf den ersten Blick erschreckend wirken, denn der Mensch ist selten dafür gemacht, seine Weltanschauung radikal zu verändern. Aber in dieser Ungewissheit und in diesen Neuanfängen steckt ein unfassbares Potenzial. Wenn man immer in seinen selbst gesteckten Grenzen bleibt, ist kein Raum für Wachstum.
Wir sollten uns trauen, neue Wege zu gehen, wenn wir feststellen, dass der bisherige nicht dahin führt, wo wir hin möchten.
Es kann sogar sein, dass man auf einmal erkennt, dass das, was man sich gewünscht hat, bereits seit langem auf einen gewartet hat. Mit dem Tunnelblick, den man durch festgefahrene Vorstellungen entwickelt, kann man so etwas nicht erkennen.
Ich bin dem Schicksal sehr dankbar, dass es mir die Augen geöffnet hat. Der Blick, der sich daraus ergibt, verschlägt mir die Sprache.
Für mehr Mut, neue Wege zu gehen,
Jahrelang hatte man das Gefühl, es sei ein Partner auf Augenhöhe. Und dann, innerhalb eines Atemzuges, tritt die völlige Entropie des Lebens zu Tage.
Man hatte sich eine Zukunftsvision aufgebaut, der fünf-Jahres-Plan hatte Gestalt angenommen und die Richtung in die alles lief, war eine annehmbar gerade Linie. Das sollte also dieses Schicksal sein. Das Vorbestimmte, das, wovon man immer geträumt hat.
Doch nach einer mittelschweren Katastrophe nach der anderen, die den fünf-Jahres-Plan so gehörig durcheinander würfeln, dass er nur noch eine Karikatur seiner selbst ist, beginnt man sich zu fragen, wieso das Schicksal es einem so schwer macht. Verbissen wird versucht, alles wieder in die rechte Bahn zu lenken, man möchte ja nicht verlieren, was, so nimmt man an, für einen bestimmt ist. Denn was bleibt über, wenn man das verliert, was man immer als festen Teil der eigenen Perspektive gesehen hat? Bleibt noch genug vom Selbst? Man hat ein unfassbares Problem, diese Dinge aufzugeben, da man sich gleichzeitig eingestehen müsste, dass die Träume gescheitert sind, die Pläne ins Nichts gelaufen sind.
Man verflucht das Schicksal, wünscht sich die geordneten Verhältnisse zurück. Das Schicksal ist auf einmal Staatsfeind Nummer eins, der es nicht mehr gut mit einem meint.
Und hier ist der Denkfehler.
Denn das Schicksal kennt uns besser als wir uns je vorstellen können. Wenn etwas nicht funktioniert, obwohl man bis zur Selbstaufgabe alles dafür opfert, ist es nicht das Richtige. Das Schicksal ist, was kommt, wenn man das erkannt hat.
Vielleicht sind die Dinge, die für uns bestimmt sind, nicht das, was man sich so lange ausgemalt hat, sondern etwas völlig anderes. Das mag auf den ersten Blick erschreckend wirken, denn der Mensch ist selten dafür gemacht, seine Weltanschauung radikal zu verändern. Aber in dieser Ungewissheit und in diesen Neuanfängen steckt ein unfassbares Potenzial. Wenn man immer in seinen selbst gesteckten Grenzen bleibt, ist kein Raum für Wachstum.
Wir sollten uns trauen, neue Wege zu gehen, wenn wir feststellen, dass der bisherige nicht dahin führt, wo wir hin möchten.
Es kann sogar sein, dass man auf einmal erkennt, dass das, was man sich gewünscht hat, bereits seit langem auf einen gewartet hat. Mit dem Tunnelblick, den man durch festgefahrene Vorstellungen entwickelt, kann man so etwas nicht erkennen.
Ich bin dem Schicksal sehr dankbar, dass es mir die Augen geöffnet hat. Der Blick, der sich daraus ergibt, verschlägt mir die Sprache.
Für mehr Mut, neue Wege zu gehen,
Eure sprachlose Nora
Donnerstag, 4. Mai 2017
Nora redet über schlechte Zeiten
"How lucky I am to have something that makes saying goodbye so hard."
Dieses Zitat stammt aus einem Kinderbuch, nämlich Winnie the Pooh. Irgendwie sind Kinderbücher doch immer die ehrlichsten. Mir stellt sich eine Frage:
Wann haben wir aufgehört, so ehrlich zu sein? Und zwar nicht unbedingt mit anderen, sondern mit uns selbst, wobei das eng miteinander zusammenhängt.
Strenge Eltern erziehen ihre Kinder zu guten Lügnern, so ein Artikel, der mir vor einiger Zeit aufgefallen ist. (hier klicken)
Negative Konsequenzen führen zu Vermeidungsverhalten, das ist eine der Grundregeln der Verhaltenspsychologie. Wenn ein Kind also für ein bestimmtes Verhalten Ärger bekommt, das ihm selbst aber Spaß macht, ist die logische Konsequenz für das Kind, dafür zu sorgen, dass die Eltern beim nächsten Mal nicht mitbekommen, wenn es etwas Verbotenes tut.
So beginnen Kinder schon früh damit, unehrlich zu sein. Gerade wenn Ehrlichkeit keine positiven Folgen hat (das Kind beichtet ein Fehlverhalten, bekommt aber trotzdem Ärger), wird dieses Verhalten noch weiter gefördert.
Und wenn es nicht schon reicht, dass wir von Kindesbeinen an unehrlich zu anderen sind, sind wir es auch noch zu uns selbst, aus genau den selben Gründen.
Wenn wir klein sind, beschweren wir uns über alles, was uns nicht passt. Man hat Hunger, man schreit, man wird gefüttert. Zu diesem Zeitpunkt ist alles noch sehr einfach. Sobald man älter wird, wird man dazu angehalten, diese Emotionen im Zaum zu halten, es macht sich einfach nicht gut, beim Gedanken an ein Sandwich in Tränen auszubrechen. Das ist ja prinzipiell auch richtig so, aber irgendwo auf dem Weg zum erwachsen sein haben wir die Fähigkeit verloren, auch mal unzufrieden zu sein, weil es sich nicht gehört. Große Kinder weinen nicht, Indianer kennen keinen Schmerz, wer kennt diese Sprüche nicht? Wenn es einem mal schlecht geht, versuchen wir es zu ignorieren, das Leben geht weiter, man hat möglichst unkompliziert und glücklich zu sein, wer ist schon gerne unzufrieden?
Angst und Traurigkeit sind zwei Basisemotionen, die wir, so gut es geht, aus unserem Leben verbannen. Man kauft Bücher übers Glücklich sein, man geht Bungee-Jumpen, hangelt sich von einem Adrenalin-Kick zur nächsten Belohnung (Essen, Shoppen, was auch immer) und fordert seine Serotonin- und Dopamin-Neurone auf, immer neue Höchstleistungen zu vollbringen.
Glücklich sein macht süchtig, wirklich wahr (Siehe dazu: z.B. "Runners High"). Und wenn wir dann mal im kalten Entzug landen, in einer Situation, in der wir den Boden unter den Füßen verlieren...? Früher hätten wir uns hingesetzt und geweint, und mit relativ großer Aussicht auf Erfolg hätte sich jemand um uns gekümmert und das Aua weggepustet.
Doch durch das erlernte Vermeidungsverhalten, das uns beibringt, "wenn wir so tun, als gäbe es kein Problem, gibt es keine negativen Konsequenzen", ignorieren wir unsere Probleme und tun so, als gäbe es sie nicht. Irgendwie sind wir nicht weit über das Versteckspielen im Kleinkindalter, bei dem man verschwindet, wenn man sich die Hände vor die Augen hält, hinausgekommen...
Ihr Lieben, Angst und Trauer haben uns in der Urzeit unser Überleben gesichtert. Wir sollten sie ernst nehmen, und ihnen einen gleichberechtigten Platz neben den anderen Basisemotionen einräumen. Man weiß die schönen Dinge erst zu schätzen, wenn man auch die negativen Seiten des Lebens kennengelernt hat. Emotionen leben von den Ausschlägen nach ganz oben und ganz unten, und sie haben einen Sinn. Sie sind evolutionär in uns verankert. So oft wird uns geraten, man solle im Moment leben, aber eben nicht nur im schönen Moment, sondern auch die Zeiten ganz unten in den Abgründen unserer Emotionen gehören dazu.
Könnte ich wählen, ich würde nicht den Rest meines Lebens nur glücklich sein wollen.
Und um auf das eingangs erwähnte Zitat zurück zu kommen, oftmals merken wir erst, wo unsere Prioritäten liegen, wenn uns die Gefahr droht, sie zu verlieren. Wo wir dann wieder bei den Basisemotionen wären, der (Verlust-)Angst. Freude, Glück und Liebe sind so eng mit Angst und Trauer verbunden wie Licht und Schatten, das eine wird nie ohne das andere existieren können und das ist doch eigentlich etwas herzzerreißend schönes. Bittersüß, wie das Leben eben so ist.
Ein kleiner Nachtrag für alle, denen langweilig ist:
Eine Geschichte, die zeigt, dass es nichts bringt, nur die schönen Seiten des Lebens wahrzunehmen ist übrigens folgende: (hier klicken)
Mich hat sie, seitdem ich sie das erste Mal vor fast zehn Jahren gehört habe, nicht mehr losgelassen. Mehr Selbstreflektion, Zufriedenheit und Altruismus als bei Buddha geht kaum, und das alles, diese Jahrhunderte überdauernden Erkenntnisse, gründen darauf, dass das Leben ohne Leid nicht funktioniert.
Dieses Zitat stammt aus einem Kinderbuch, nämlich Winnie the Pooh. Irgendwie sind Kinderbücher doch immer die ehrlichsten. Mir stellt sich eine Frage:
Wann haben wir aufgehört, so ehrlich zu sein? Und zwar nicht unbedingt mit anderen, sondern mit uns selbst, wobei das eng miteinander zusammenhängt.
Strenge Eltern erziehen ihre Kinder zu guten Lügnern, so ein Artikel, der mir vor einiger Zeit aufgefallen ist. (hier klicken)
Negative Konsequenzen führen zu Vermeidungsverhalten, das ist eine der Grundregeln der Verhaltenspsychologie. Wenn ein Kind also für ein bestimmtes Verhalten Ärger bekommt, das ihm selbst aber Spaß macht, ist die logische Konsequenz für das Kind, dafür zu sorgen, dass die Eltern beim nächsten Mal nicht mitbekommen, wenn es etwas Verbotenes tut.
So beginnen Kinder schon früh damit, unehrlich zu sein. Gerade wenn Ehrlichkeit keine positiven Folgen hat (das Kind beichtet ein Fehlverhalten, bekommt aber trotzdem Ärger), wird dieses Verhalten noch weiter gefördert.
Und wenn es nicht schon reicht, dass wir von Kindesbeinen an unehrlich zu anderen sind, sind wir es auch noch zu uns selbst, aus genau den selben Gründen.
Wenn wir klein sind, beschweren wir uns über alles, was uns nicht passt. Man hat Hunger, man schreit, man wird gefüttert. Zu diesem Zeitpunkt ist alles noch sehr einfach. Sobald man älter wird, wird man dazu angehalten, diese Emotionen im Zaum zu halten, es macht sich einfach nicht gut, beim Gedanken an ein Sandwich in Tränen auszubrechen. Das ist ja prinzipiell auch richtig so, aber irgendwo auf dem Weg zum erwachsen sein haben wir die Fähigkeit verloren, auch mal unzufrieden zu sein, weil es sich nicht gehört. Große Kinder weinen nicht, Indianer kennen keinen Schmerz, wer kennt diese Sprüche nicht? Wenn es einem mal schlecht geht, versuchen wir es zu ignorieren, das Leben geht weiter, man hat möglichst unkompliziert und glücklich zu sein, wer ist schon gerne unzufrieden?
Angst und Traurigkeit sind zwei Basisemotionen, die wir, so gut es geht, aus unserem Leben verbannen. Man kauft Bücher übers Glücklich sein, man geht Bungee-Jumpen, hangelt sich von einem Adrenalin-Kick zur nächsten Belohnung (Essen, Shoppen, was auch immer) und fordert seine Serotonin- und Dopamin-Neurone auf, immer neue Höchstleistungen zu vollbringen.
Glücklich sein macht süchtig, wirklich wahr (Siehe dazu: z.B. "Runners High"). Und wenn wir dann mal im kalten Entzug landen, in einer Situation, in der wir den Boden unter den Füßen verlieren...? Früher hätten wir uns hingesetzt und geweint, und mit relativ großer Aussicht auf Erfolg hätte sich jemand um uns gekümmert und das Aua weggepustet.
Doch durch das erlernte Vermeidungsverhalten, das uns beibringt, "wenn wir so tun, als gäbe es kein Problem, gibt es keine negativen Konsequenzen", ignorieren wir unsere Probleme und tun so, als gäbe es sie nicht. Irgendwie sind wir nicht weit über das Versteckspielen im Kleinkindalter, bei dem man verschwindet, wenn man sich die Hände vor die Augen hält, hinausgekommen...
Ihr Lieben, Angst und Trauer haben uns in der Urzeit unser Überleben gesichtert. Wir sollten sie ernst nehmen, und ihnen einen gleichberechtigten Platz neben den anderen Basisemotionen einräumen. Man weiß die schönen Dinge erst zu schätzen, wenn man auch die negativen Seiten des Lebens kennengelernt hat. Emotionen leben von den Ausschlägen nach ganz oben und ganz unten, und sie haben einen Sinn. Sie sind evolutionär in uns verankert. So oft wird uns geraten, man solle im Moment leben, aber eben nicht nur im schönen Moment, sondern auch die Zeiten ganz unten in den Abgründen unserer Emotionen gehören dazu.
Könnte ich wählen, ich würde nicht den Rest meines Lebens nur glücklich sein wollen.
Und um auf das eingangs erwähnte Zitat zurück zu kommen, oftmals merken wir erst, wo unsere Prioritäten liegen, wenn uns die Gefahr droht, sie zu verlieren. Wo wir dann wieder bei den Basisemotionen wären, der (Verlust-)Angst. Freude, Glück und Liebe sind so eng mit Angst und Trauer verbunden wie Licht und Schatten, das eine wird nie ohne das andere existieren können und das ist doch eigentlich etwas herzzerreißend schönes. Bittersüß, wie das Leben eben so ist.
Ein kleiner Nachtrag für alle, denen langweilig ist:
Eine Geschichte, die zeigt, dass es nichts bringt, nur die schönen Seiten des Lebens wahrzunehmen ist übrigens folgende: (hier klicken)
Mich hat sie, seitdem ich sie das erste Mal vor fast zehn Jahren gehört habe, nicht mehr losgelassen. Mehr Selbstreflektion, Zufriedenheit und Altruismus als bei Buddha geht kaum, und das alles, diese Jahrhunderte überdauernden Erkenntnisse, gründen darauf, dass das Leben ohne Leid nicht funktioniert.
Dienstag, 25. April 2017
warum
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Bisher gab es auf jede Frage eine Antwort, manchmal dauert es nur etwas. Ein schöner Zeitpunkt, sich in Geduld zu üben also. Man wächst mit seinen Aufgaben (so wie die Leber)
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Bisher gab es auf jede Frage eine Antwort, manchmal dauert es nur etwas. Ein schöner Zeitpunkt, sich in Geduld zu üben also. Man wächst mit seinen Aufgaben (so wie die Leber)
Freitag, 14. April 2017
Selbstliebe
Durch eine ironische Laune des Schicksals, die selbst mir als humorvollem Menschen ein großes Maß an Toleranz abverlangt hat, sie als solche zu sehen, wurde ich mit dem Thema Selbstliebe konfrontiert.
Über Liebe habe ich hier so oft geschrieben, dass ich es mir doppelt und dreifach überlegen werde, es wieder zu tun. Irgendwann ist alles gesagt. Aber über Liebe zu sich selbst ist noch einiges offen.
Dabei ist sie so ein essentieller Bestandteil, vielleicht sogar die Basis auf der alles andere aufbauen muss.
Warum ist sie so schwierig? Warum gibt es unzählige Bücher, Magazine und Workshops, die sich damit beschäftigen?
Das Problem ist, dass man sich zunächst klar werden muss, wer man ist. Und das bedeutet eine detaillierte Auseinandersetzung mit allem, was zu einem selbst gehört. Und vor allem viel Ehrlichkeit mit sich selbst.
Es geht nicht darum, sich zu überlegen, wer man gerne wäre (groß, gebräunt und gutaussehend) und dieses Ideal zu lieben.
Man muss sich eingestehen, dass man eben ist, wer man ist, mit allem was dazu gehört. Wie so oft in der Liebe also auch hier ein "in guten, wie in schlechten Zeiten". Es geht um Akzeptanz und Objektivität. Leider ist man selten so subjektiv wie mit sich selbst. Zu einer Person gehören alle ihre Eigenschaften, die, die man gerne an sich sieht, und die, die man gerne ignorieren würde. Doch genau das ist ein Punkt, an dem unsere Selbstliebe den ersten Knacks bekommt und zum Selbstbetrug wird. Man kann die Sachen, die man an sich nicht mag, nicht ignorieren. Jeder, der das versucht hat, wird mir bestätigen, dass es nicht dauerhaft oder vollständig funktioniert. Der Schlüssel zum besseren Verhältnis mit sich selbst ist, diese Dinge als Teil von einem selbst zu akzeptieren. Alles was uns ausmacht, macht uns zu genau dem einzigartigen Menschen der wir sind.
Das soll aber nicht heißen, dass man sich mit seinen negativen Zügen abfinden soll und die mittelmäßige Version von einem selbst bleiben muss, mit der man nicht zufrieden ist. Denn die Akzeptanz, dass diese Eigenschaften ein unveränderbarer Teil von einem selbst sind, bringt die Möglichkeit mit sich, daran zu arbeiten. Dadurch, dass man manche Dinge an sich nicht ändern kann, ist dies allerdings ein lebenslanger Prozess mit Höhen und Tiefen. Nach der Akzeptanz braucht man also noch Anerkennung für die Erfolge und Nachsicht für Tiefschläge. Und die Erinnerung daran, dass man bereits erfolgreich für seine Ziele gearbeitet hat und das, egal an welchem Punkt, immer wieder möglich ist, auch wenn es ein langer Weg sein sollte.
Nach dem ganzen Fokus auf negativen Dingen wird es Zeit für Positives. Niemand besteht nur aus negativen Eigenschaften. Auch wenn sie zuweilen schwer zu finden sein mögen, die guten Charakterzüge sind da. Es ist verdammt wichtig, sich darauf zu besinnen, was man gut gemacht hat, denn von diesen positiven Gefühlen sich selbst gegenüber zehrt man in Zeiten, in denen man an sich zweifelt. Die guten Eigenschaften offenbaren sich oft in kleinen Erfolgen und sind vielleicht nicht sofort als solche zu erkennen. Sie können sein, dass man für andere da war, dass man wirklich gute Witze macht, dass man Rührei machen kann wie niemand sonst, dass man die wildesten Tagträume hat, andere motivieren kann... genau wie die schlechten Eigenschaften verschwinden sie nie. Aber sie müssen gepflegt werden, vielleicht ab und zu entstaubt werden und wieder vorsichtig erprobt.
Selbstliebe ist also ein komplizierter Mix aus Stärken suchen und Schwächen akzeptieren. Das ist verdammt harte Arbeit, aber ein Prozess der sich unfassbar lohnt.
Über Liebe habe ich hier so oft geschrieben, dass ich es mir doppelt und dreifach überlegen werde, es wieder zu tun. Irgendwann ist alles gesagt. Aber über Liebe zu sich selbst ist noch einiges offen.
Dabei ist sie so ein essentieller Bestandteil, vielleicht sogar die Basis auf der alles andere aufbauen muss.
Warum ist sie so schwierig? Warum gibt es unzählige Bücher, Magazine und Workshops, die sich damit beschäftigen?
Das Problem ist, dass man sich zunächst klar werden muss, wer man ist. Und das bedeutet eine detaillierte Auseinandersetzung mit allem, was zu einem selbst gehört. Und vor allem viel Ehrlichkeit mit sich selbst.
Es geht nicht darum, sich zu überlegen, wer man gerne wäre (groß, gebräunt und gutaussehend) und dieses Ideal zu lieben.
Man muss sich eingestehen, dass man eben ist, wer man ist, mit allem was dazu gehört. Wie so oft in der Liebe also auch hier ein "in guten, wie in schlechten Zeiten". Es geht um Akzeptanz und Objektivität. Leider ist man selten so subjektiv wie mit sich selbst. Zu einer Person gehören alle ihre Eigenschaften, die, die man gerne an sich sieht, und die, die man gerne ignorieren würde. Doch genau das ist ein Punkt, an dem unsere Selbstliebe den ersten Knacks bekommt und zum Selbstbetrug wird. Man kann die Sachen, die man an sich nicht mag, nicht ignorieren. Jeder, der das versucht hat, wird mir bestätigen, dass es nicht dauerhaft oder vollständig funktioniert. Der Schlüssel zum besseren Verhältnis mit sich selbst ist, diese Dinge als Teil von einem selbst zu akzeptieren. Alles was uns ausmacht, macht uns zu genau dem einzigartigen Menschen der wir sind.
Das soll aber nicht heißen, dass man sich mit seinen negativen Zügen abfinden soll und die mittelmäßige Version von einem selbst bleiben muss, mit der man nicht zufrieden ist. Denn die Akzeptanz, dass diese Eigenschaften ein unveränderbarer Teil von einem selbst sind, bringt die Möglichkeit mit sich, daran zu arbeiten. Dadurch, dass man manche Dinge an sich nicht ändern kann, ist dies allerdings ein lebenslanger Prozess mit Höhen und Tiefen. Nach der Akzeptanz braucht man also noch Anerkennung für die Erfolge und Nachsicht für Tiefschläge. Und die Erinnerung daran, dass man bereits erfolgreich für seine Ziele gearbeitet hat und das, egal an welchem Punkt, immer wieder möglich ist, auch wenn es ein langer Weg sein sollte.
Nach dem ganzen Fokus auf negativen Dingen wird es Zeit für Positives. Niemand besteht nur aus negativen Eigenschaften. Auch wenn sie zuweilen schwer zu finden sein mögen, die guten Charakterzüge sind da. Es ist verdammt wichtig, sich darauf zu besinnen, was man gut gemacht hat, denn von diesen positiven Gefühlen sich selbst gegenüber zehrt man in Zeiten, in denen man an sich zweifelt. Die guten Eigenschaften offenbaren sich oft in kleinen Erfolgen und sind vielleicht nicht sofort als solche zu erkennen. Sie können sein, dass man für andere da war, dass man wirklich gute Witze macht, dass man Rührei machen kann wie niemand sonst, dass man die wildesten Tagträume hat, andere motivieren kann... genau wie die schlechten Eigenschaften verschwinden sie nie. Aber sie müssen gepflegt werden, vielleicht ab und zu entstaubt werden und wieder vorsichtig erprobt.
Selbstliebe ist also ein komplizierter Mix aus Stärken suchen und Schwächen akzeptieren. Das ist verdammt harte Arbeit, aber ein Prozess der sich unfassbar lohnt.
Nora muss sich etwas von der Seele reden. Oder auch: Wahrheiten
Liebe Leute,
lange genug ist es jetzt her, dass ich mich hingesetzt habe und meine Gedanken hier gelassen habe. Obwohl so viel Zeit vergangen ist, fühle ich mich heute wieder in die Situation zurück versetzt, in der ich diesen Blog begonnen habe. Ich habe ein wenig das Gefühl, als sei ich aus einem sehr langen Traum aufgewacht. Wenn ich an die letzten Jahre denke, sind sie wie im Zeitraffer vergangen. Ich bin von einem Ereignis zum nächsten gehastet und habe, das ist wirklich wahr, nicht ein einziges Mal in den letzten fünf oder sechs Jahren bewusst darüber nachgedacht, was gerade mit meinem Leben und mir passiert. Alles lief auf Autopilot. Ich habe mich immer gefühlt, als würde ich auf etwas warten. Als würde ich auf einen ganz bestimmten Punkt hinarbeiten, an dem alles Sinn macht. Zuerst, dachte ich, war es eine Liebesgeschichte, die mich lange begleiten sollte und von der ich nicht erwartet hätte, dass ihr Sinn sein sollte, zu enden, an einem ganz bestimmten Punkt meines Lebens. Dann das Abitur, dann das Studium, die erste Klausur, das erste Testat, das Physikum, die Doktorarbeit. Doch der Moment des angekommen Seins kam nie. Jetzt ist er da und er sieht so verdammt anders aus, als ich ihn mir vorgestellt habe.
Es sollte dieser magische, erfüllende Augenblick sein, an dem alles an seinen Platz fällt und alle ungelösten Fragen sich beantworten. Getaucht in gleißendes Licht und vielleicht sogar mit theatralischer Musik im Hintergrund. Was für ein absoluter Schwachsinn.
Der Moment, an dem sich die Wahrheit offenbart, warum ich mich noch nicht angekommen gefühlt habe, ist niederschmetternd. Die Warheit ist hässlich, grotesk, eine Karikatur dessen, was sie hätte sein sollen.
Wir idealisieren Wahrheit immer als etwas pures, reines, erstrebenswertes. Dabei ist sie nichts, außer einfach nur wahr. Sie kann brutal sein, einen mit voller Wucht treffen, verletzen, sie kann einen auffangen, einem Sicherheit geben. Sie hat in etwa so viele Gesichter, wie es Sand am Meer gibt.
Das Problem mit der Wahrheit, besonders mit der unangenehmen, ist, dass sie wahr bleibt, egal wie sehr man versucht, sie zu ignorieren oder sich selbst zu belügen. Sie bleibt immer da, als großer, dunkler Schatten. Solange man sie nicht aus der heuchlerischen Comfort-Zone des Ignorierens holt, fällt ihr Schatten auf alles, was um sie herum ist. Nichts glänzt so hell wie es könnte, kein Sonnenschein der guten Laune ist hell genug, um sie zu vertreiben, sobald die Sonne verschwunden ist, ist es stockfinster.
Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als ihr ins Gesicht zu sehen. Uns mit ihr zu beschäftigen und auseinanderzusetzen, um sie aus dem Weg zu räumen. Erst dann ist der Weg frei für das Licht, alle Bereiche unseres Lebens auszufüllen, eine freie Fläche ohne Schatten.
Ich habe damit angefangen und es gefällt mir gar nicht. Ich bin in meinen Grundfesten erschüttert, muss alles in Frage stellen, was ich bisher als gegeben angenommen habe. Aber es wird heller. Ich bin endlich aufgewacht, es gibt keinen Autopiloten mehr, ich übernehme wieder das Steuer. Die Unsicherheit hat etwas befreiendes.
Ich habe diesen Blog in einer Zeit begonnen in der ich mich so weit von mir entfernt hatte, dass ich mir wie eine fremde Person vorkam. Ich habe hier meine Gedanken festgehalten, weil ich mich selber wieder zusammensetzen musste, die Einzelteile finden musste, die mich ausmachen. Und nun bin ich wieder hier, weil mir klar geworden ist, dass ich sie neu zusammensetzen muss.
Auf eine Reise voller Licht, meine Lieben, wer auch immer das hier mitliest oder noch im Verteiler für neue Artikel ist. Oder auch nur mein Zukunfts-Ich, das in ein paar Jahren diesen Text liest und weiß, wohin der Weg geführt hat.
Zum Schluss eines meiner Lieblingszitate:
WHEN NOTHING IS CERTAIN, ANYTHING IS POSSIBLE.
Nora
lange genug ist es jetzt her, dass ich mich hingesetzt habe und meine Gedanken hier gelassen habe. Obwohl so viel Zeit vergangen ist, fühle ich mich heute wieder in die Situation zurück versetzt, in der ich diesen Blog begonnen habe. Ich habe ein wenig das Gefühl, als sei ich aus einem sehr langen Traum aufgewacht. Wenn ich an die letzten Jahre denke, sind sie wie im Zeitraffer vergangen. Ich bin von einem Ereignis zum nächsten gehastet und habe, das ist wirklich wahr, nicht ein einziges Mal in den letzten fünf oder sechs Jahren bewusst darüber nachgedacht, was gerade mit meinem Leben und mir passiert. Alles lief auf Autopilot. Ich habe mich immer gefühlt, als würde ich auf etwas warten. Als würde ich auf einen ganz bestimmten Punkt hinarbeiten, an dem alles Sinn macht. Zuerst, dachte ich, war es eine Liebesgeschichte, die mich lange begleiten sollte und von der ich nicht erwartet hätte, dass ihr Sinn sein sollte, zu enden, an einem ganz bestimmten Punkt meines Lebens. Dann das Abitur, dann das Studium, die erste Klausur, das erste Testat, das Physikum, die Doktorarbeit. Doch der Moment des angekommen Seins kam nie. Jetzt ist er da und er sieht so verdammt anders aus, als ich ihn mir vorgestellt habe.
Es sollte dieser magische, erfüllende Augenblick sein, an dem alles an seinen Platz fällt und alle ungelösten Fragen sich beantworten. Getaucht in gleißendes Licht und vielleicht sogar mit theatralischer Musik im Hintergrund. Was für ein absoluter Schwachsinn.
Der Moment, an dem sich die Wahrheit offenbart, warum ich mich noch nicht angekommen gefühlt habe, ist niederschmetternd. Die Warheit ist hässlich, grotesk, eine Karikatur dessen, was sie hätte sein sollen.
Wir idealisieren Wahrheit immer als etwas pures, reines, erstrebenswertes. Dabei ist sie nichts, außer einfach nur wahr. Sie kann brutal sein, einen mit voller Wucht treffen, verletzen, sie kann einen auffangen, einem Sicherheit geben. Sie hat in etwa so viele Gesichter, wie es Sand am Meer gibt.
Das Problem mit der Wahrheit, besonders mit der unangenehmen, ist, dass sie wahr bleibt, egal wie sehr man versucht, sie zu ignorieren oder sich selbst zu belügen. Sie bleibt immer da, als großer, dunkler Schatten. Solange man sie nicht aus der heuchlerischen Comfort-Zone des Ignorierens holt, fällt ihr Schatten auf alles, was um sie herum ist. Nichts glänzt so hell wie es könnte, kein Sonnenschein der guten Laune ist hell genug, um sie zu vertreiben, sobald die Sonne verschwunden ist, ist es stockfinster.
Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als ihr ins Gesicht zu sehen. Uns mit ihr zu beschäftigen und auseinanderzusetzen, um sie aus dem Weg zu räumen. Erst dann ist der Weg frei für das Licht, alle Bereiche unseres Lebens auszufüllen, eine freie Fläche ohne Schatten.
Ich habe damit angefangen und es gefällt mir gar nicht. Ich bin in meinen Grundfesten erschüttert, muss alles in Frage stellen, was ich bisher als gegeben angenommen habe. Aber es wird heller. Ich bin endlich aufgewacht, es gibt keinen Autopiloten mehr, ich übernehme wieder das Steuer. Die Unsicherheit hat etwas befreiendes.
Ich habe diesen Blog in einer Zeit begonnen in der ich mich so weit von mir entfernt hatte, dass ich mir wie eine fremde Person vorkam. Ich habe hier meine Gedanken festgehalten, weil ich mich selber wieder zusammensetzen musste, die Einzelteile finden musste, die mich ausmachen. Und nun bin ich wieder hier, weil mir klar geworden ist, dass ich sie neu zusammensetzen muss.
Auf eine Reise voller Licht, meine Lieben, wer auch immer das hier mitliest oder noch im Verteiler für neue Artikel ist. Oder auch nur mein Zukunfts-Ich, das in ein paar Jahren diesen Text liest und weiß, wohin der Weg geführt hat.
Zum Schluss eines meiner Lieblingszitate:
WHEN NOTHING IS CERTAIN, ANYTHING IS POSSIBLE.
Nora
Montag, 21. Dezember 2015
Nora ist zurück!
Tja, damit habt ihr wahrscheinlich nicht gerechnet.
Auferstanden von den Toten, wie Phönix aus der Asche. Sehr theatralisch.
Na gut, so war es nicht. In den letzten Monaten (und traurigerweise schon fast Jahren) war ich selbst nur stiller Gast auf diesem Blog und habe in der Vergangenheit gestöbert.
Mal hat die Zeit und mal die Eingebung gefehlt.
Aber nun bin ich wieder da und ich gelobe Besserung.
Ja, das ist eine Drohung!
Auferstanden von den Toten, wie Phönix aus der Asche. Sehr theatralisch.
Na gut, so war es nicht. In den letzten Monaten (und traurigerweise schon fast Jahren) war ich selbst nur stiller Gast auf diesem Blog und habe in der Vergangenheit gestöbert.
Mal hat die Zeit und mal die Eingebung gefehlt.
Aber nun bin ich wieder da und ich gelobe Besserung.
Ja, das ist eine Drohung!
Donnerstag, 19. Juli 2012
Der Richtige
Bist du irgendwie behindert? Der Richtige? Es gibt Millionen Falsche.
Soviel weiß ich. Und es gibt dich. Wieso sollte ich jemals jemand anderen wollen. Wieso sollte ich jemals darüber nachdenken wollen, ob du "der Richtige" bist. Was glaubst du, warum ich mir den ganzen Scheiß antue. Doch nicht etwa, weil ich mich irgendwann umentscheiden will. Sondern weil ich meine Entscheidung getroffen habe.
Soviel weiß ich. Und es gibt dich. Wieso sollte ich jemals jemand anderen wollen. Wieso sollte ich jemals darüber nachdenken wollen, ob du "der Richtige" bist. Was glaubst du, warum ich mir den ganzen Scheiß antue. Doch nicht etwa, weil ich mich irgendwann umentscheiden will. Sondern weil ich meine Entscheidung getroffen habe.
Freitag, 13. Juli 2012
Ich hasse das Gefühl, dass dir alles wichtiger ist, als ich, dass für alles mehr Zeit ist als für mich. Und das Gefühl, dass ich auf ewig, wenn überhaupt, nur die Nummer 2 bin. Dass ich tun kann was ich will, es aber doch nicht genügt. Dass ich es nicht wert bin, mit dir in Verbindung gebracht zu werden.
Dass ich Zuneigung und Nettigkeit nur in äußerst geringer Dosierung verdiene. Das Gefühl, zu viel zu verlangen, obwohl es doch eigentlich Dinge sind, die ich immer für selbstverständlich gehalten habe. Das Gefühl, mich minderwertig zu fühlen. Das Gefühl, dass ich immer weniger zugestanden bekomme. Das Gefühl, dass ich mir die Schönheit der Bestätigungen deiner Liebe nur eingebildet habe. Das Gefühl, undankbar zu sein. Und das Gefühl, dass jeder Mensch in meinem Umfeld gegen meine Entscheidungen redet, und versucht, mich von dem abzubringen, was ich will. ICH HASSE ES, ICH HASSE ES, ICH HASSE ES
Musik :)
Ohrwurm!!!!!!!!! Caje - Nicome & Sascha Braemer
Sommermusik. Maliblue - Darius
Kitschig, aber so unglaublich wunderschön- A Drop In The Ocean - Ron Pope
Sonntag, 24. Juni 2012
Der ewig Zweite
In einem Wettbewerb, von dem dachte ihn mühelos zu gewinnen und das beinahe konkurrenzlos, Zweiter zu werden, ist so furchtbar ernüchternd. Man ist nah am Ziel, ein Hauch fehlt zum Ersten. Man hat sein Scheitern in Form eines glücklichen Gewinners vor sich, und muss auch noch so tun, als freue man sich für ihn. Das wird so erwartet, dass man sich mit dem zufrieden gibt was man hat. Dass einem ein egoistischer Teilnehmer mit nichts weiter als Außenseiterchancen alle Aussichten auf die Erfüllung des Traumes vom Sieg nimmt, interessiert keinen.
Aber ich habe das sportliche Verhalten satt. ICH wollte deine Nummer 1 sein, ich dachte ich hätte endlich alles gewonnen was ich wollte. Aber jetzt stecke ich vor jedem zurück, der sich mir in den Weg schmeißt. Jeder scheint wichtiger zu sein als ich, und mein Verzichten scheint so selbstverständlich wie die Gratulation zum Sieg bei einem verlorenen Wettkampf. Wann ist dieses Zurückgestellt-werden endlich vorbei? Ich habe kein Problem damit den ersten Platz zu teilen, aber immer hinten anzustehen für ein männliches Äquivalent, der noch nicht einmal weiß, dass er die Vorteile geniesst die mir nicht zuteil werden, das ist kein Zustand in dem ich bleiben will.
Bei allem was ich tue zu spüren, dass es nicht genug ist, macht mich wahnsinnig.
Ich will mir nicht weiter vorkommen wie der belächelte Zweite, der so fest an seinen Sieg geglaubt hat, von dem aber jeder wusste, dass er nie gewinnen wird.
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